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Wupper Wohnwelt: Prolog im Anrufbeantworter

Willkommen, “-oh. Muss ich jetzt- Wupper Wohnwelt Möbel GmbH. So, oder? Oder war das-”. Sie haben 19 neue Nachrichten. Zum Abhören, drücken Sie-

Erste neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 08:29 Uhr:
“Heeey, Frau Nowak, du, hör mal, folgendes Anliegen: Ich stehe hier unten am Lieferanteneingang mit einem sehr netten Herren, mit, ähm, wie war nochmal Ihr Name? Mit dem lieben Herrn Bocker genau, und wir beide würden doch mal ganz gerne wissen, wohin die, äh, vierhundert? Vierhundert Sperrholzplatten? Frau Nowak? Die wir anscheinend bestellt haben? Also, wo die hin sollen. Weißt du was davon? Ich kann mir nicht vorstellen, wer die bestellt hat. Wenn Markus am Ende doch seine Holzabteilung durchsetzt, wir hatten das doch besprochen. Ruf mich doch bitte zurück, ja?”

Zweite neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 09:17 Uhr:
“Linda, hey, wir, wir müssen über Markus reden. Ich wollte gerade die Torte für, Dings, Sara in den Kühlschrank im Pausenraum stellen, aber, aber Markus hat da einfach schon wieder die TC5-Vorhangschienen in den Weg gestellt. Alle. Niemand kommt ran, also an den Kühlschrank, und das bringt den Team-Spirit ziemlich runter. Und das ausgerechnet heute, 25% auf alle Fenstertüren und so. Wenn, ehm, du dich drum kümmern könntest? Danke. Tschö. Das hier ist Eva, übrigens.” 

Dritte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 10:03 Uhr:
“Hey, ich bins nochmal. Haben Sie meinen Hund gesehen? Vielleicht können Sie ihn diesmal einfach behalten? Er hat mir zu viele Haare.”

Vierte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 10:23 Uhr:
“Sehr geehrtes Wupper Wohnwelt-Team, Schröder hier. Ich hatte mich gerade wieder mit Kaffee und meinen Rechnungen auf die Veranda gesetzt, und sieh mal einer an, was mir da aufgefallen ist. So, so, haben Sie den Gutschein bei meinem Einkauf vom 10.01.2019 gar nicht berücksichtigt? Ihre Mitarbeiterin, Frau … Keller?, hat mir versichert, versichert, ja? Sie würden McDonald’s-Gutscheine definitiv akzeptieren. Und daher können Sie sicher meine Verwunderung verstehen, wenn ich auf meine Rechnung gucke und das da nicht so wiederfinde. Am besten überlegen Sie sich das nochmal. Glauben Sie mir, Sie wollen nicht, dass ich rechtliche Schritte einleite. Denn das ist sehr kompliziert, und ich hab Angst davor, also sollten Sie auch Angst davor haben. Schönen Tag noch.”

Fünfte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 10:56 Uhr:
“Jaaaa, hallo, Linda. Markus hier. Schau, schau, schau, schau, schau: also, ich laufe vorhin durch die Bettenabteilung und sehe mir die neuen E43er, ja? Und dabei ging, dabei ging mir die Frage nicht aus dem Kopf: Was sind Betten? Was machen wir mit Betten? Was, Linda, was machen Betten mit uns? Oder? Oder? Und ich glaub, dabei wird einfach klar: Das mit der Holzabteilung kann nicht funktionieren. Holz ist, ist … Holz ist vergänglich, Holz ist tot, Linda. So etwas deprimiert unsere Kundschaft, es erinnert sie zu sehr an die eigene Sterblichkeit. Verstehst du? Ich würde also das ganze Sperrholz von heute früh vielleicht einfach mal im Pausenraum zwischenlagern. Damit lässt sich sicherlich noch etwas Sinnvolles anstellen, glaubst du nicht? Oh, und ist die Hündin am Parkplatz von dir? Sie zerkaut auf jeden Fall gerade deinen Autoreifen, deswegen dachte ich, ihr kennt euch.”

Sechste neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 11:04 Uhr:
“Hallo, hallo, hehehe, hier ist die, heh, die äh Bundeskanzlerin von Deutschland hier. Ja, heh, genau und ich möchte gerne eine Pizza bestellen. Doppelkäse. PSST! Jaja, ich weiß, Timmy, lass mich. Okay, Trippelkäse. Wir woll-, nein, ICH hätte gerne eine Trippelkäsepizza. Und Sie sind gefeuert. Rektor Kleeberg ist ein Dummbatz, und Timmy ist in Charlotte verliebt, eheheh!”

Siebte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 11:29 Uhr:
“Linda, was ist passiert? Hallo?”

Achte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 11:30 Uhr:
“Oh mein Gott. Was haben Sie getan? Mein Mann ist noch drin. Oh Gott.”

Neunte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 11:30 Uhr:
“Jetzt hören Sie aber mal, was war das denn bitte? Mein Hörgerät ist beinahe explodiert, so laut war das. Wenn ich noch drin gewesen wäre, das, das wär ja, aber hallo! Ich glaub, mein Schwein pfeift! Man wird doch wohl noch Bettwäsche kaufen dürfen, ohne dabei einen Hörsturz zu kriegen. Und in was soll ich jetzt bitte schlafen? In ALTER Bettwäsche? Nein, danke. Ihre Konkurrenz hat soeben einen neuen Kunden gewonnen!”

Zehnte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 11:31 Uhr:
“-hab gleich- Hallo? Hallo? Die gehen nicht ran.”

Elfte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 11:32 Uhr:
“Linda? Ruf mal bitte zurück. Ich glaube, also, ich will nicht vom Schlimmsten ausgehen, aber- Ruf einfach an, okay?”

Zwölfte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 11:33 Uhr:
“Hallo, Wupper Wohnwelt? Seid ihr komplett bescheuert? Lasst mich rein, ihr verdammten Kapitalistenschweine! Ich fahre nicht wieder, bevor ich meine Fenstertür bekommen habe!”

Dreizehnte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 11:35 Uhr:
“Frau Nowak, Meyer hier. Ich habe Ihnen gesagt, dass dieser Tag kommen würde. Sie wollten ja nicht auf uns hören. Die Polizei ist schon auf dem Weg.”

Vierzehnte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 11:36 Uhr:
“Im Rausrennen hat einer Ihrer Mitarbeiter auf den Teppich geblutet, den ich gerade in dem Moment kaufen wollte, gerade in dem Moment, und da ist jetzt ein Riesenfleck in der Mitte, der Teppich ist quasi vollkommen ruiniert. 70 Prozent Rabatt. Sonst leg ich ihn wieder zurück zum Mitarbeiter.”

Fünfzehnte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 11:38 Uhr:
“SCHLECHTESTER. FLASHMOB. ALLER. ZEITEN. ICH WILL MEINE LEBENSFREUDE ZURÜCK. UND MEINE TOCHTER!”

Sechzehnte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 11:41 Uhr:
“Schönen Mittag, Frau Nowak. Hier spricht Kommissar Bellings, wir hatten vor einigen Monaten bereits wegen der Abschleppsache gesprochen. Ich rufe an, also, bei uns ist die Warnung eingegangen, dass Ihre Alarmsirene losgegangen sein soll. Stimmt das? Bitte schalten Sie die aus. Die Nachbarn beschweren sich. Danke.”

Siebzehnte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 11:44 Uhr:
“OK, JA, ICH HAB DIE MATRATZEN GESTOHLEN. IST ES DAS WAS IHR SICHERHEITSPROTOKOLL HERBEIFÜHREN WOLLTE? EIN GESTÄNDNIS? SIE DACHTEN WOHL, SIE KÖNNTEN MICH EINFACH SO EINSPERREN UND MICH SONST WIE LANGE IN IHREM MÖBELHAUS-SETTING ÜBER MEINE KRIMINELLEN VERHALTENSWEISEN REFLEKTIEREN LASSEN, BIS ICH ZU DER ERKENNTNIS GELANGE DASS TATEN KONSEQUENZEN HABEN UND MEINE MACHENSCHAFTEN IM GROßEN UND GANZEN MEHR SCHADEN ALS HEILUNG ANRICHTEN, HM? FALSCH GEDACHT. ICH BIN AUCH SO SCHON INTROSPEKTIV GENUG. ICH BRAUCHE IHRE RAHMUNG NICHT!”

Achtzehnte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 11:46 Uhr:
“Hey, hallo, bin ich richtig bei Wupper Wohnwelt? Ich wollte nur Bescheid geben, dass ich meinen Einkaufswagen jetzt am Parkplatz stehen lasse, weil das Tor zu Ihrem Einkaufswagenhäuslein irgendwie jetzt abgeschlossen ist. Ich habe noch einen Euro im Wagen drin, den hole ich dann einfach nächstes Mal ab, wenn ich da bin. Thomas Morkopf ist mein Name, wenn Sie den im Empfangsbereich hinterlegen könnten. Dankeschön.”

Neunzehnte neue Nachricht, empfangen Mittwoch, 11:49 Uhr:
“Scheiße, so stand das nie im Mitarbeiterhandbuch. Frau Nowak? §48b sagt, Im Notfall Ruhe bewahren und den Notfallichtern folgen. Aber es gibt keine Notfallichter. Frau Nowak? Ich glaub, es sind immer noch Leute drin. Was machen wir jetzt?”

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Wupper Wohnwelt, die animierte Serie, erscheint mit der ersten Folge am 30.06. hier auf pfeil-undbogen.de.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Nitay Feigenbaum | Pfeil und Bogen

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