Eibia
Von Gerd Fahrenhorst - Eigenes Werk, CC-BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75091861

Eine selbstverständliche Sache

Der Alte verwies mich mit den Worten: Dein Türzuschlagen hat gar nichts genützt. Denn wie du siehst bin ich doch hier. Geister entstammen den Stimmen der Menschen. Unten über dem tiefen See rauscht immer ihr Flug. Wir sind nie mehr allein.

Die Räder des Zuges sind etwas anderes. Und ein Baum ist etwas anderes als ein Zug. Und ein Bahnhof ist etwas anderes, als ein Wald, sagte der Mann. Du wirst das (in der Eibia) schon sehen. Er lachte zahnlocken und trank einen Schlürfer Kaffee. Manwed sagte: Man muss den Bahnhöfen entgehen. Und sie entgingen dem Bahnhof über einige Straßen im Dorf, auf die kleine Häuser sahen und Fragen stellten. Die Fragen gehören zu den Häusern, wie die Dörfer und Gleise zu den Bahnhöfen gehören, dachte er. Alle Häuser hier, sagte er, stehen im Dienste des Bahnhofs. Und sie sagte ja, aber ihre Fragen sind nicht mehr die selben wie früher.

Sie liefen einige Zeit entlang der rostigen Schienen und um sie herum gingen die Weiten. An ihnen entlang ging die Weite des Gesangs in den Gleisen und in den Stimmbändern der Züge, eben und gleichmäßig und spitz zulaufend bis an den Nebel.

Und andernseits gingen die Weiten, brusthoch und drohsam, geduckt vor den Baumreihen führen Wiesen im Dunkel hinein in die Wälder und die Wälder versanken selbst wieder im weißwandigen Dunst. Je weiter der Nebel sich dehnte, um so schmäler fühlte er die eigenen Gestalten, wie sie falschfarben, grellend sich im Nebel bewegten. Er nahm einen Stein aus dem Steinbett der Gleise. Und sie fragte: Willst du mich damit erschlagen? Und er sagte: Wer keine Angst hat, muss sich nicht tarnen.

Sie tauchten in das Fadengewese der Wiesen und Sträucher und gingen über schmale Wege und Brücklein hinein in den Wald. Und der Mann sagte: Man kann sich hier leicht verlaufen.

Das hier wird immer ein High-Tech Zentrum sein, sagte Manwed. Es kann keine Rückkehr des Waldes in die Dörfer geben. Und wer hier in den Wald geht, der wird den Bewohnern verdächtig. Im Wald sieht man Menschen den Nebel atmen. Und der Nebel entstellt, sagt man im Dorf, und doch ist er eine selbstverständliche Sache.

Der Wald ist eine selbstverständliche Sache und die geschorenen Köpfe. Das ist eine selbstverständliche Sache, der Vorgarten und die Straße. Der Nebel ist eine selbstverständliche Sache, die Verwaltungsgebäude. Hermann Löns ist eine selbstverständliche Sache. Die Zecken und die Abwesenheit der Wölfe und die Angst vor ihrer Rückkehr, sind eine selbstverständliche Sache. Die Gleise sind eine selbstverständliche Sache und dass ihre Frage andere sind als die der Bäume. Die Frage der Bäume feilt an der öffnenden Drehung in die dunklen Räume des Bunkers, die Frage der Gleise aber, geht auf eine Steinflut im Gleisbett.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Gerd Fahrenhorst

Empfohlen

Weitere Beiträge
Mindstate Malibu
Alles geil. Hyperironie und Ultraromantik