Eibia
Von Gerd Fahrenhorst - Eigenes Werk, CC-BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75091861

Eine selbstverständliche Sache

Wind: Vielleicht ist unsere dümmste Begeisterung in dem, was wir gerade noch erkennen. In den Holzbalken der Brücken blähte der Wind, ein gläsern leuchtendes Netz. Ein Insekt rennt schneller, wenn Asche darauf fällt. Ein Baum wächst schneller wenn Regen darauf fällt. Und meine Gedanken, dachte er, laufen schneller wenn Kaffee darauf fällt. Hehe. Und die Blätter auf der Brücke laufen schneller, wenn sie längst vom Baum gefallen sind und der Wind in sie hineingeht. Man gibt den Menschen die Erfindungen, wenn sie vom Baum gefallen sind. Und dann betrachtet man die Sache von außen.

Das Wasser vor dem Mühlrad ist gelb. Das Wasser darunter ist schwarz. Das gelbe Wasser treibt, wie ein Flackern in Pfützen, flussaufwärts. Man sieht nicht, wie das Wasser und ob es überhaupt fließt. Selten hat jemand etwas neues zur Technik zu sagen, dachte er. Es scheint, als wäre alles schon da.

Vor dem Haus ist eine Wiese und am Rande der Wiese ein Weg. Am weg steht eine Bank und darüber flort das Trauerhaar einer Weide.

Auf einem Wall sitzen zwei Erpel, beide stehen auf und drehen sich um. Sie sehen in Richtung des Flugwegs der Ente, die gerade noch zwischen ihnen saß. Sie hat den Wall verlassen. Blätter fallen von den Bäumen am Rand des Kanals und landen im Wasser, das flussaufwärts geht im Wind.

In der Eibia, sagte der Mann, gehen alle Straßen in eine einzige Richtung.

Die Nazis hielten den Bunker für unzerstörbar getarnt. Es ist ein High-Tech Zentrum, sagte der Mann. Einer fragte: Ist das hier ein sterbendes Dorf? Aus ihm kam die Antwort gleich: Nein, es gibt hier gute Arbeitsplätze für ungelernte Leute. Die Steine unter dem Sang lagen braun und dunkel. Braun und dunkel belegt lagen die Stimmbänder im Boden der Vorstadt. Und sahen in das Gewese von der Brücke hinab. Es ist immer schon ein High-Tech Zentrum gewesen. Und früher hätten die Arbeiter auch schon gutes Geld bekommen. Stell dir vor alles ist deine Erfindung.

Der Bunker lag rechts von ihnen, lag schelmenhaft, schalknackig drohend auf einem Hügel und lugte durch die Marschreihen der Bäume. Wir gehen morgen zum Bunker, sagte der Mann.

Auch vom Bunker her kam der Sang, dachte er. Und im Bach neben ihnen. Der Sang war in der Stimme des Mannes. Der Sang war in den Vorgärten und im Verwaltungsgebäude, war in den schwarzen Zungen, grauen Hallen, den Spaten der Eltern. Das Verwaltungsgebäude ist (jetzt) eine Schule, sagte einer. Er war auch in der Brücke über den feuchten schwarzen Zungen. Und ein anderer sagte: Hier hat es oft bunt geschäumt, rosa, grün, violett war der schwarze Bach früher oft gewesen. Aus dem High-Tech Zentrum strömten die bunten Farben den schwarzen Bach entlang. Die Schule hatte nur einen Vorhang für die Kulisse ihrer Stücke, sagte der Mann. Er war mit der Zeit bleich geworden. Aber die Bäume hier und die Sträucher sind nicht bleich geworden. Der Wald ist nicht bleich geworden, der Fluss ist nicht bleich geworden. Und der Backstein des Verwaltungsgebäudes ist nicht bleich geworden.

Sie gingen weiter durch den Wald. Überallhin führen die Schienen, sagte sie. Sie halten alles zusammen. Sie halten die alte Fabrik mit dem Bunker zusammen, die Dörfer mit den Städten, die Städte mit den neuen Fabriken und die neuen Fabriken mit den alten Fabriken.

Ja, sagte er, und etwas hält die Schienen zusammen.

Für die alte Fabrik wurden häufig junge ukrainische Frauen benutzt. Sie marschierten weiter auf dem Grenzzaun des Bunkers. Die Menschen am Grenzzaun verachteten die Menschen am Grenzzaun.

Es liegt an den Schienen, sagte sie. Früher führten die Schienen durch die Vorgärten hinein in die Siedlung. Zuerst führten die Schienen von den Dörfern und Städten zum Dorf. Und Frauen stiegen heraus und marschierten zum Verlegen der Schienen vom Dorf in den Bunker. Sie trugen Spaten und geschorene Köpfe. Und darüber ging der Sang der nordischen Zunge. Der Sang der nordischen Zunge, sagte sie, hatte ihnen die Haare von den Köpfen geleckt. Sie hatte Felder in die Wiesen geschnitten. Alle Methodik, sagte dazu der Mann, will unreflektierte Wiederholbarkeit schaffen, ein wachsendes Fundament von Voraussetzungen, das immer im Spiele ist, aber nicht immer aktualisiert werden muss. Es ist eine Steinwerdung in der Methodik. Es kristallisiert dann das Salz.

Und einer sagte: Die nordische Zunge legt alle unsere Bewegungen in das Steinbett der Gleise.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Gerd Fahrenhorst
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