ZEN IN DER KUNST DES REISESSENS

Es war Mittag und er saß da, wie er immer da saß und er aß seinen Reis, wie er ihn immer aß. Er war ein guter Esser. Er hielt die Gabel mit seiner Linken umklammert, schaufelte Reis auf die Zinken, beugte den Kopf weit herunter, und aß. Er war ein guter Esser. Er dachte daran, dass die alten chinesischen Meister in ihrer alten chinesischen Weisheit es genauso gemacht haben mussten, und dass sie dagesessen haben mussten, wie er da saß, und gegessen haben mussten wie er. Nur, dass ihr Reis nicht aus Kalifornien kam oder aus Mississippi, wo’s doch so feucht und heiß sein soll, oder aus Kambodscha oder Vietnam oder sonst woher. Und nur, dass sie statt einer Gabel Essstäbchen benutzt haben mussten und dass der Reis klebriger gewesen sein musste als seiner. Es war Mittag und er saß da, wie er immer da saß und er aß seinen Reis, wie er ihn immer aß, aber er wusste, es würde nie wieder so sein. Er war ein guter Esser, aber er wusste, es würde nie wieder so sein.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Lily Lvnatikk
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