Wollt Ihr Schokolade? Politisch Schreiben – „Écriture Feminine“

alles wirkt überdimensioniert. den schreibtisch füllt eine gigantische pappschachtel geschnittenen käsekuchens, über die wand dahinter erstreckt sich ein riesiges regal voll papier, flyern, heften und büchern, von der decke hängt ein gleichfalls gigantischer kronleuchter aus luftpolsterfolie.

23.1.2016, Angewandte, Wien, eineinhalb stunden vor der lesung von PS politisch schreiben/anmerkungen zum literaturbetrieb im ChickLit (feministische buchhandlung). die redaktionsmitglieder Rhea Fenzl und Katherin Bryla (in abwesenheit: Olivia Golde) in einem großen raum von der optischen kreuzung eines büros, lagers und kunstarchives.

L: achtung, anspielung. schokolade gibt’s auch, wollt ihr schokolade?

R+K: ja!

R: ist die vegan?

L: selbstverständlich. äh, zum thema écriture feminine….

K:- es gibt keine weiblichkeit in der schrift (!).

L pause: ok, das ist eine ansage. warum nicht?

K: dazu würde ich verweisen auf Monique Wittig. oder den ersten essay in der PS zu konkurrenz und kanon!

R: willst du das nicht ein bisschen ausführen?

K: nein, ich schweige jetzt! ich brauche urlaub!

R: also die frage ist jetzt, ob es eine weibliche art zu schreiben gibt. also, dass frauen schreiben, das war ja schon immer so, nur halt leider oft … nicht wahrgenommen.

K: – nicht veröffentlicht. beißt in die schokolade nicht unter weiblichem namen, jedenfalls.

männer und frauen haben zu einem bestimmten zeitpunkt ähnliche geschichten geschrieben

R: was zum beispiel spannend ist, bei science fiction. da gab es wirklich das ding, dass männer und frauen zu einem bestimmten zeitpunkt ähnliche geschichten geschrieben haben – logisch, weil sie ja aktuelle probleme aufgreifen und in die zukunft projizieren. und was die männer da geschrieben haben, ist berühmt geworden – während alle weiblichen autorinnen da sofort in vergessenheit geraten sind. obwohl sie das gleiche geschrieben haben! wobei die frauen das sogar besser gemacht haben, da sie auch die sexistische komponente mitdachten.

K: aber von der will ja niemand lesen. betretene pause. und science fiction ist ja eh eine ausnahmerubrik. weil die ja sogar mit einer frau losgeht.

L: inwiefern?

K: äh, na….

R: Frankenstein! *

K: wer war das denn… wer war das noch mal?

R: das muss Laura googeln
*gegoogelt: Mary Shelley.

L: ich denke mal, die vorstellung einer sogenannten ‚weiblichen poetik‘ betreffend haben wir sowieso ähnliche ansichten. aber mich hat dieses seminar , „die frage nach einem weiblichen schreiben“ einerseits interessiert, weil ich a einfach schauen wollte, was da so rumkommt, und … ihr kennt das problem ja … immer noch keine weibliche professorin. das wurde bislang ja kaum bei uns thematisiert.

K: das problem heißt „Uni Hildesheim“! genau wie im szenischen schreiben an der UdK und dem literarischen schreiben am DLL.

R: hier an der Sprachkunst haben wir immerhin eine geteilte professur… aber im vorstand sind immer noch die typen.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Laura Hatting