Zahlen 1–4

Tag zwei

ging ich langsamer an. Immer noch hatte ich einen vollen Terminplan und immer noch wollte ich alles abhaken können. Nun aber ließ ich mich nicht von der Hektik der groben Masse anstecken. Ich war für mich. Flanierte pfeifend durch die Hallen, schenkte jedem Mitflaneur ein knappes Nicken und ein Lächeln. Wir verstanden uns. Auch dass einige Termine ausfielen oder sich verschoben, machte mir an diesem Morgen nichts aus. Das Stimmengewirr vermengte sich in den Hallen zu einem Rauschen, das an einen Wasserfall erinnerte, man brauchte nur kurz die Augen schließen, sich vorzustellen man säße in irgendeiner sonnigen Felslagune und schon war er da, dieser meditative Zen-Zustand.

Leider hielt er nicht lange an. Nach einigen Stunden ließ die morgendliche Anti-Kopfschmerzdröhnung nach, mein kaputtes Knie meldete sich mit unangenehmen Schmerzen, der Magen bettelte um etwas Essbares; ich antwortete mit Kaffee. Kaffee und einem halben Müsliriegel. Dazu der billige gratis Süßkram, den man auf der Messe an jeder Ecke hinterhergeworfen bekommt und schon zog sich der Schmerz auch durch die Magengrube. Ich brauchte etwas Nahrhaftem, doch bekam nur Süßigkeiten und Sekt, ich humpelte von Fressbude zu Fressbude, immer auf der Suche nach etwas zu Essen, das ich mir leisten konnte. Doch die Suche war vergebens. Mit zwei Euro im Portmonee kommt man auf der Buchmesse nicht weit. „Miese Abzocker“, ließ ich das ein oder andere Mal erklingen, nachdem meine Anfragen auf Gratisnahrung für die Presse abgewiesen wurden. Antworten bekam ich nie.
Ich kämpfte mich in diesem Zustand also noch durch den ganzen Tag, verließ schließlich gegen 18 Uhr das Messegebäude, gab die letzten zwei Euro für Bier aus und lechzte dem reichlich gefüllten Kühlschrank der AirBnB-Wohnung entgegen.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Marvin Dreiwes | Pfeil und Bogen

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