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drehe mich um
Ich drehe mich um, während vorne die anderen ins Auto steigen, sie haben die Koffer vorhin schon verstaut, die Gummistiefel liegen hinten, die Provianttasche zwischen den Jacken auf dem Rücksitz, wie immer. Und wie immer habe ich mich zurückfallen lassen, drehe mich um und lege die Hand über die Augen.
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lies
Lies mich nicht, ich kehre ein, die Einsamkeit schließt sich endlich. Nichts muss verschieden sein und alles ist verschieden.
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bescheidenheit
Der Anfang der Bescheidenheit. Ein runzeliger Zettel im Portemonnaie meiner Mutter: Die Distel. Sie blüht nur im Schatten anderer.
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ich bin alles
Aber solange sie dabei mit mir sprachen, konnte ich durch den Tag kommen. Die Nächte waren schwerer, weil hinter den heruntergelassenen Jalousien die Stille stand wie Beton, von dem ich träumte, bis ich schrie.
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geschichten
Die Vorstellung, wir könnten etwas anreichern, nähren, etwas wie Erkenntnis, Einsicht, ästhetische Wahrnehmung, ein Werk, ein Ganzes: das sind Geschichten und sie sind geklaut.
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passivität
Das Desaster zu entziffern, führt in die Irre. Es markiert uns als die Irre. Der Bezug zum Desaster, zur Not und zur Notwendigkeit scheint aus unserer Höhe weggebrochen. In die Passivität des Disasters.
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warten
Ich will nicht länger warten, ich habe begonnen, zu finden, in der Zeit und an dem Ort, Wörter zu schreiben, die ich kenne, die ich sagen könnte, als würde ich mithalten mit dem zitternden Impuls einer Duldung, die die Worte selbst erfindet, zu denken, sie wären ich.
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keiner
Glänzend, schwarz und schwach hebe ich es auf, obwohl ich diesen Anblick kaum ertrage. Keiner kann das sehen.
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silbenpack
Sätze, die wir immer weiter abbauen, bis nur die Spur, eine endlose Schleife eigentlich, bleibt, zu dem Ausgang, an dem wir die Vorsätze und Bausteine, das Silbenpack abgeladen haben oder mit dem Aufladen nicht fertig werden, gerade so verrückt, um es noch zu ertragen.
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nicht
Nah ist nicht falsch. Grau ist nicht kühl. Wir sind nicht Neid ist nicht faul. Tag ist nicht Schwamm.
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schlinge
Zur Schlinge, zum Hals, wie ein Medium für den Kurzschluss, für die Spiele lasse ich es regnen, mache alle gesund, lasse sie tanzen, gebe ihnen keine Chance und die Schuld, weil sie frei sind und rennen.

PFEIL UND BOGEN ist die neue literarische Revue des Literaturinstituts Hildesheim: Ein lebendiges Jetztzeitarchiv der Gegenwartsliteratur. Hier kann man sich informieren über die neuen Bücher und Autor°innen, über die zentralen Debatten und Diskurse um die jüngere Literatur herum, über wesentliche poetologische und produktionsästhetische Positionen, über die neusten (gegenwarts-) literaturwissenschaftlichen Konzepte, über den Wandel des Betriebs, über die medialen Novitäten, Innovationen und Trends im literarischen Feld der Jetztzeit