Prosanova Live Blog
Photo by Anna Rebecca Jacob

Hey ihr Lieben und willkommen, ihr Freunde der Literatur!

Ihr seid beim PROSANOVA 2020 dabei und wollt euch noch mehr austauschen? Oder habt ihr euch dieses Jahr noch nicht getraut und seid aber super neugierig, wie das Festival so wird?

In den nächsten vier Tagen sind wir für euch live als unabhängige Redaktion dabei und erzählen euch hier, was passiert und vor allem, wie wir das Online-Festival erfahren.

Bleibt gespannt und folgt uns auch auf dem Instagram-Account des Literaturinstitut Hildesheim!

Bild mit freundlicher Genehmigung von Anna Rebecca Jacob | Pfeil und Bogen
Event
Following PROSANOVA 2020 - Ein Live-Blog
Start time
16.40
Event status
Finished
Katrin Griebenow
14. Juni 2020
15:07

PROSANOVA 2020 - Ein Fazit 

Mit der Abschlussveranstaltung ist heute Vormittag das diesjährige PROSANOVA zu Ende gegangen. Damit endet für uns ein gemeinsames Wochenende voller Wort- und Bildeindrücke, Spaß und Arbeit, Snacks und Schlafmangel. Auch für uns war das digitale Festivalformat neu, ebenso wie das digitale Berichten darüber. Das war tatsächlich stressiger als angenommen, weil der Zeitplan eng getaktet war und die Formate nicht immer dem angegebenen Zeitrahmen entsprochen haben. Gut, dass man die Veranstaltungen noch eine Woche lang anschauen kann.  

Über 50 Veranstaltungen klingen nun nach, treiben durch unsere Köpfe und haben uns einiges an Input gegeben. Zu dritt haben wir viel über unsere Eindrücke gesprochen und uns so manches Mal gewünscht, unsere Wahrnehmungen und Meinungen in eine größere Gruppe tragen zu können. Schnelles und unkompliziertes Nachfragen, sei es um mit Künstler*innen ins Gespräch zu kommen, bei der künstlerischen Leitung nachzuhaken oder um einfach einen anderen Angang an einen Diskurs zu hören, hat uns sehr gefehlt. Eine offene Diskussion hätte einigen Formaten sicherlich mehr Würze verliehen - wie zum Beispiel den Confession Rooms, die in weiten Teilen schleppend verliefen. Während einige Veranstaltungen durch die Digitalisierung wahnsinnig an Originalität gewonnen haben (Pen&Paper mit Raphaela Edelbauer oder Schreib-Showdown mit Norwin und Ralph Tharayil), waren andere Events nur schwer ertragbar. So hätten wir Marius Goldhorn wirklich gern den Stecker gezogen, weil die Desktop Lecture als Format einfach nicht funktioniert hat.

Unsere Probleme hatten wir auch mit dem technischen Support. Für Störungen kann unter diesem Umständen erst einmal niemand etwas - auch der Großteil aller analogen Festivals läuft sicherlich nicht störungsfrei. Allerdings haben wir uns das eine oder andere Mal vor unseren Bildschirmen allein gefühlt, weil uns keine Stelle bekannt war, an die wir uns hätten wenden können. Dass der Höhepunkt absichtlich abgebrochen wurde - nun ja. Schade, dass die darauf folgende Gather Town völlig an uns vorbeigezogen ist. Auch vom Fan Fiction Forum haben wir leider erst heute erfahren. Vielleicht war das das digitale Äquivalent zu Ich-verlaufe-mich-auf-dem-Festivalgelände. 

Wirklich positiv hervorgestochen ist die Tatsache, dass das PROSANOVA 2020 mit einem gut durchdachten Awareness- und Diversitätskonzept gearbeitet hat. Wir haben die Perspektiven von Menschen mit vielfältigen Biografien und Erfahrungen als eine wahnsinnige Bereicherung des Festivals empfunden. Besonders das Format Was bleibt hat lange bei uns nachgehallt, weil es wirklich schön und mit viel Bedacht umgesetzt wurde. Darüber hinaus konnten wir alle drei neue Lieblingsautor*innen im Line Up finden - nur mit Corinna T. Sievers hatten wir alle ein dickes Problem, weil wir auch nach langen Diskussionen keine Antwort auf die Frage gefunden haben, warum sie Teil dieses Festivals sein durfte.

Und jetzt? Unsere studentischen Geldbörsen werden es uns zwar übel nehmen, aber das ist uns egal: Wir wollen einen Haufen Bücher kaufen! An dieser Stelle gilt unser großer Dank dem PROSANOVA-Team, dass uns so tolle neue Autor*innen gezeigt hat, von denen wir wirklich begeistert sind. Was wir also an Materiellem aus diesem für uns doch etwas ambivalenten Online-Festival mitnehmen: 

Bücher, Bücher, Bücher.

Und eigentlich geht es beim PROSANOVA ja auch genau darum: die Freude am Lesen und das Entdecken von neuen Schätzen!

 

Bücherliste
Photo by Katrin Griebenow
Malu von Marschall
14. Juni 2020
14:28

Ende Gelände

Na das fängt ja schon gut an, denn hat man* keinen Facebook-Account, kann man* wohl an der letzten Veranstaltung des PROSANOVA nicht teilnehmen ... so viel zur "Niedrigschwelligkeit".

Irgendwie hat es dann doch geklappt: erneut sind wir in einer Zoom-Konferenz. Die lächelnden Gesichter von Selma, Carla, Judith, Simoné, Mirjam und Elske begrüßen uns. Man* sieht dem künstlerischen Leitungsteam des PROSANOVA die verschiedensten Emotionen an - Erleichterung liegt in der Luft, Freude und vielleicht ein wenig Wehmut.

Wir schauen uns an, wie die Verantwortlichen reflektieren und gemeinsam durch die verschiedenen Trauerphasen gehen. Zwischendurch werden ehemalige PROSANOVA-Initiator*innen dazu geschaltet, die vor allem viel Lob für ihre Nachfolgerinnen übrig haben - vielleicht ein bisschen too much.

Ein Format des Austausches mit den Ehemaligen finden wir übrigens ziemlich genial! Schade, dass das erst zum Schluss aufkam und keinen eigenen Rahmen bekommen hat.

Wir hätten den Gedanken gut gefunden, in eine Reflektion über das Festival ein zu steigen - doch irgendwie ist das hier schief gegangen. Ein wenig klang das Ganze wie eine Selbstbeweihräucherung und als wären wir Voyeur*innen statt Zuschauer*innen. Wenigstens gab es rechts neben dem Live-Bild den Facebook-Chat, in den man* Feedback geben konnte.

Allerdings wurde auf Kommentare wie "Der Diskurs hat gefehlt" oder "Ich konnte die Formate nicht kommentieren" leider nicht wirklich eingegangen. Es wurde außerdem kurz erwähnt, dass der gestrige Höhepunkt absichtlicht abgebrochen wurde - bitte was? Wir fliegen aus der Zoom-Konferenz, mit Absicht? Mitten im Satz? Ohne eine Aufklärung der Situation?

Wir fühlen uns nicht abgeholt.

 

Katrin Griebenow
14. Juni 2020
0:31

Lagerfeuerromantik zum Tagesende

Wasserglaslesungen sind für Anfänger*innen. Raphaela Edelbauer sitzt in ihrem abgedunkelten Arbeitszimmer, auf zwei Bildschirmen lodern gemütliche Feuer und eine silberne Totenkopfstatue starrt uns an. Sie liest, aber wir können entscheiden, was. Wir können den Weg der Protagonistin Ruth mitbestimmen - denn wir spielen Pen&Paper in der Welt des Romans Das flüssige Land. Mindestens genauso cool wie dieses Format ist Raphaelas Soundboard, mit dem sie die Kapitel einleitet. So springen wir von Szene zu Szene, kommen nicht ins Schloss und gehen stattdessen doch auf dem Friedhof spazieren. 

Ein entspannter Spieleabend zum Ende des dritten Festivaltages begleitet von Raphaelas nüchtern beschreibenden Worten. Vielen Dank für diese Idee!

Mit diesem Beitrag verabschieden wir uns für heute, mit vollem Kopf, literatur- und schokoladengesättigt.

Malu von Marschall
14. Juni 2020
0:25

Die Alpträume sind weniger geworden

Ob Johann Kaiser über sich selber schreibt oder über eine Person, die auch Johann heißt, aber nicht er ist - das haben wir nicht so ganz verstanden. Für immer die Alpen ist der erste Roman des Hildesheimer Alumni, für die PROSANOVA-Lesung einfach, aber total cute illustriert von Luigi Olivadoti.

Johann gibt mit seinem gedehnten österreichischen Akzent Einblick in ein Leben, sein Leben? Er redet über das Schreiben und die Arbeit im Büro, den Pool auf dem Dach, die Instandhaltung des Hauses und das Auto. Irgendwie ein Erwachsenen-Leben, was wir hier sehen.

Vielleicht redet er auch zu seinem Zukunfts-Ich? Sätze wie:

Ja, einen Rechtsanwalt hast du jetzt auch.

implizieren: dieser Johann scheint für einen reichen Typen zu arbeiten oder vielleicht selber richtig reich zu sein...

Die Kombination aus Zeichnungen und Sprache sind sehr gelungen, auch wenn das Ende der Lesung schon ein wenig pathetisch ist:

alles Schöne muss sterben

 

Anna Rebecca Jacob
13. Juni 2020
22:45

Neue, fragwürdige Geständnisse

Die Confession Rooms gehen in die letzte Runde, dabei sind uns bekannte Gesichter:  Corinna T. Sievers und Judith Keller.

Unter geschworener Ehrlichkeit werden einander Fragen rund um den Schreibprozess gestellt. Wesentlich die Fragen: Für wen und warum schreiben wir eigentlich?

Ich finde, die Literatur muss doch auch Sachen ausprobieren und Formen sprengen und irgendwie ins Unbekannte gehen. (Keller)

Judith Keller erzählt hier viel und sympathisch von den eigenen Erwartungen ans Schreiben, von der notwendigen positiven Erstreaktionen einer Freundin und schafft es, aus Sievers Fragen ein angenehmes Gespräch zu entwickeln. Dann stellt Keller die Frage der Fragen: Welcher Sinn hat eigentlich Confession?, beantwortet sie direkt selbst und spricht uns damit aus der Seele: Das frag ich mich wirklich.

Fragwürdig für uns immer noch die Rolle Corinna T. Sievers, die über ihr Schreiben feststellt:

Ja, es ist pseudofeministisch, aber das ist eben ironisch gemeint.

Da wir auch nach dem zweiten Format mit Sievers diese Ironie nicht erkennen, wundern wir uns:
Wie passen solche Aussagen in das Programm und die Positionierung des PROSANOVA? Gerne würden hier das Leitungsteam um mehr Transparenz im Entscheidungsprozess bitten.

Katrin Griebenow
13. Juni 2020
20:35

Es gibt hier wirklich nichts zu sehen

Der große PROSANOVA 2020 Höhepunkt. Es fühlte sich ein wenig an, wie ein mittelmäßig schlechter One Night Stand. Man* freut sich auf einen abenteuerlichen Abend, eine heiße Nacht, endlich ist es soweit, die Hüllen fallen und dann ist der Sex kurz und unbefriedigend - vom peinlichen Smalltalk ganz zu schweigen. 

Der große PROSANOVA 2020 Höhepunkt. Alle Organisator*innen, einige der Autor*innen und die Festivalgäste treffen sich zu einem großen Zoom-Meeting, das - wie es sich für eine Online-Konferenz gehört - durch "technische Probleme" verzögert startet. Ohne Gesprächsfaden führt die künstlerische Leitung durch ein Format, das Corinna T. Sievers nach zwei Minuten an sich reißt und nur ungern wieder loslässt. Etwa 60 Gesichter lächeln leicht gequält in ihre Kameras, während die Veranstaltung weder vorwärts noch rückwärts tritt. Dann soll eine La-Ola-Welle gestartet werden, doch bevor es dazu kommen kann, erklärt Zoom das Meeting auf unserem Bildschirm für beendet. Wieder hinein kommen wir nicht mehr, aber darum sind wir eigentlich auch nicht traurig. Wir schauen uns an. Das Wort "cringy" fällt.

Der große PROSANOVA 2020 Höhepunkt. Nach einem Moment ratloser Ungläubigkeit wenden wir uns den nächsten Programmpunkten zu. Eigentlich hat uns das PROSANOVA in großen Teilen abgeholt, wir haben viele coole Formate entdeckt, zusammen gelacht, nachgedacht und uns nur selten mit der Hand vor den Kopf geschlagen. Der "Höhepunkt" war ein solcher Moment. Schade, dass diese Verantstaltung dem Rest des Festival so hinterherhinkte. 

Malu von Marschall
13. Juni 2020
20:20

Und die Augen brennen uns von der Sonne

Özlem Özgül Dünder stößt auf Glätte und Reibung. In dem Kurzfilm zu ihrem Gedichtband gedanken zerren kommt sie mit den verschiedensten Oberflächen in Berührung und wir fragen uns: was war zuerst da? Das Thema des diesjährigen Festivals oder der Gedichtband?

ich stoße immer wieder auf dich und an dich

Sehr hübsch poetisch fließen die Worte wie Özlems Hände über die raue Wand. Oder durch ihre Haare. Sie tastet ihr Gesicht ab, reibt sich die Hände. Sie benutzt verschiedenste Werkzeuge, um Reibung zu erzeugen - mit dem Hammer und einem Schraubenzieher zeichnet sie ein Wort in die Wand: "du". Das gleiche mit Steinen auf den Boden. Schreibwerkzeug also?

Mit ihrem Sammelsorium an (Schreib-)Werkzeug zeichnet sie ein Bild - also tatsächlich, denn sie arrangiert die Dinge anschaulich nebeneinander, genau wie ihre Poesie.

Anna Rebecca Jacob
13. Juni 2020
19:41

Das seid ihr und das bin ich.

Wir haben uns Fleurs Geschichte angehört und dabei am offenen Fenster gesessen und nach draußen gesehen - allerdings ist das Wetter immer noch nass und nicht viel mehr als Enten unterwegs, weshalb sich unsere externen Eindrücke eher in Grenzen halten.

Brüder von Jackie Thomae wird uns präsentiert in Auszügen des Audible-Hörbuchs. Schade, finden wir, wo wir doch inzwischen die tatsächlichen Stimmen der  Autor*innen und (mehr oder weniger) echte Gesprächsformate gewöhnt sind...

Anna Rebecca Jacob
13. Juni 2020
18:39

Was passiert hier eigentlich?

Desktop Lecture mit Marius Goldhorn, wir freuen uns, wir legen los, wir denken: Aha...
Marius redet langsam, macht uns Musik an und wir wissen noch nicht genau, worum geht es eigentlich?
Nach 18 Minuten erfahren wir: Eine Lesung aus seinem Gedichtband Yin, in dem er sich mit dem Deaodejuing und der Autorin Ursula K. Le Guin beschäftigt. Wir sind neugierig, hören zu und dann dreht sich plötzlich der Bildschirm. Warum?

Marius trägt seine Gedichte vor, irgendwer hat jetzt doch das Tempo angezogen, wir können den Text parallel mitlesen, eigentlich ganz cool, aber so richtig dem folgen, was er uns sagen möchte, können wir trotzdem nicht. Aber die Inhalte lassen sich ja im Google Docs nochmal sichten.
Abschließend empfiehlt er uns die Beschäftigung mit Laotse, dem Deaodejuing und Le Guin, dann ist relativ abrupt ein Ende erreicht.

Wir sind etwas ratlos. Vielleicht erkennen wir den künstlerischen Wert in dieser Darstellung nicht, vielleicht fehlt uns inhaltliches Wissen.
Mal sehen, ob wir uns noch belesen... wir wissen ja jetzt, wo.

Malu von Marschall
13. Juni 2020
18:30

these boots are made for walking

Wir folgen der Einladung: Schuhe anziehen und los! Das Kollektiv FLEXEN zwingt uns, unser kreatives Festival-Wohnzimmer zu verlassen.

Collage Flexen 1
photo by Katrin Griebenow & Malu von Marschall

Wir flanieren also los, wir so als Flaneusen, sind überall - hier und da. Wir fühlen uns erstmal weird, so durch die Straßen zu laufen mit den lauten Stimmen aus dem Handy wie die coolen kids, die nachts hier rum laufen. Zum Glück sind nicht viele Leute hier - Dorfleben eben.

Regel Nummer 1: Dein Rock darf nicht zu kurz sein!

Jetzt bekommen wir Aufgaben: Bück dich. Alles klar. (SIEHE BILD 1)

Was siehst du? (SIEHE BILD 2)

Wo sind die nächsten Straßenschilder? Sind auch Frauen darauf? (SIEHE BILD 3) - Nein, übrigens, natürlich nicht...

Geh weiter, finde die nächsten Klingelschilder. Welche Namen sind drauf? Welchen Namen findest du am schönsten? (SIEHE BILD 4) - Wir hatten hier als nächstes nur die Stadtwerke vor der Nase und sind große Fans vom Sitzungszimmer...

Immer wieder bekommen wir Denkanstöße, haben wir einen Bezug zur alten Zeit? Ist sie für uns nur Geschichte? Sind die Menschen, die vor einigen hundert Jahren hier lebten Fremde? Gibt es hier Stolpersteine?

Regel Nummer 2: du darfst nicht zu kompliziert sein. Ach ne, die ist ja quatsch diese Regel.

Finde den nächsten Bordstein. (SIEHE BILD 5)

in der Nacht sorgt das Auftauchen einer jungen Frau für Aufruhr

Wir sollten den Kontext sehen - Flaneusen aller Länder, vereinigt euch!

Jetzt sollen wir stehen bleiben und nicht ausweichen. Naja, das Problem ist, hier sind halt keine Menschen. Wir bleiben also stehen und weichen niemandem aus. (SIEHE BILD 6)

Collage Flexen 2
photo by Katrin Griebenow & Malu von Marschall

Wir gehen weiter, bleiben stehen. Gehen weiter, bleiben stehen.

Was ist direkt vor dir? (SIEHE BILD 7) - Das Schild von Tom's EDV Beratung lächelt uns an. 

Wir sollen eine Himmelsrichtung aussuchen. (SIEHE BILD 8) - Dort liegt Byzanz, wir gehen weiter in diese Richtung.

Kurz werden wir zum Galataturm und in die Vergangenheit entführt, dann geht es weiter.

die Müdigkeit der Augenlieder

Wie fühlst du dich, wenn du gehst? (SIEHE BILD 9) - Wir fühlen uns super, Bewegung war eine gute Idee...

Jetzt sollen wir warten, bis wir eine Frau sehen. Naja, da haben wir wieder dieses Problem mit den nicht-vorhandenen Menschen. (SIEHE BILD 10) - Keine Frau also, Aufgabe nicht erfüllt - sorry.

Wir gehen weiter und hören uns noch einige wahre Worte an:

nicht immer ist die Straße der Ort der Gefahr

Wir bleiben wieder stehen. (SIEHE BILD 11) - Und wieder ist niemand da, dem wir uns in den Weg stellen können. Wahrscheinlich ist Bad Salzdetfurth nicht der geeignetste Ort für diese Audiotour.

Unser Streifzug endet, wir sind erfrischt und dankbar für die Möglichkeit mal raus zu kommen.

Anna Rebecca Jacob
13. Juni 2020
17:19

Freude am Klang

Hafenlesung die Zweite. Nefeli Kavouros und Lubi Barre moderieren die Gespräche und Lesungen von Ariane Graffenried und Ghayath Almadhoun.

Die mehrsprachigen Lesungen - Deutsch, Bernerdeutsch, Englisch, Französisch, Arabisch - machen Spaß und fordern heraus, nicht nur auf die Inhalte, sondern auch dem Klang, der Stimmung, den echten Stimmen der Autor*innen zu lauschen. 

Wir hören, was Graffenried beschreibt: Wie sich die Musikalität der Texte verändert, wie die Kombination der Sprachen Konfrontationen und Irritationen schafft, die sich mit dem Rhythmus mit bewegen und auflösen. 

Toll, dass wir die Gelegenheit haben, Literatur auch in verschiedenen Sprachwelten zu begegnen!

Malu von Marschall
13. Juni 2020
16:00

Found: Glätte und Reibung

Das Format Was bleibt geht in die zweite Runde. Es werden uns zwei Autoren vorgestellt, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Thien Tran und Julian Amankwaa. Beide in einen Text zu bringen, fällt uns gerade schwer - deshalb machen wir das hier jetzt nacheinander:

Thien Tran's Gedichte werden hier gelesen von Alexandru Bulucz. Er sitzt gemütlich und liest ruhig, unmittelbar - irgendwie ordentlich. Thien zeichnet klare Bilder, verschönert nichts. Wir hören deutliche, präzise, verständliche Lyrik. 

mein Plan zur Bombadierung der Sprache wurde abgelehnt

Thien erzählt stringent, humorvoll, greifbar. Wir können uns vorstellen, die Gedichte abends zum einschlafen zu lesen, leicht verträgliche Kost, ein bisschen was zum nachdenken und manchmal auch einfach nur schöne Worte.

Ganz anders ist es bei Julian Amankwaas Text. Wir sehen Özlem Özgül Dündar, die um- bzw. aufräumt in einer Wohnung, die vielleicht gerade renoviert wurde. Sie versucht, es sich bequem zu machen - but something doesn't feel right. Denn der Text, den sie gleich liest, ist alles andere als bequem.

unser Gesicht ist wohl kaputt

Julian schreibt provokant, mutig. Wir fühlen uns angeekelt, die Jungen in der Geschichte sind geradezu bösartig, gewalttätig. Dennoch auch irgendwie naiv und unbedarft. "Schokierend" würde wohl ein Boulevardblatt dazu schreiben.

Thien und Julian sind zwei Autoren wie Tag und Nacht. Etwas haben sie aber doch gemeinsam: sie sind nicht mehr unter uns und haben uns großartige Kunst hinterlassen. Danke.

 

Katrin Griebenow
13. Juni 2020
15:21

Der Weltschmerz einer Generation

Wir sehen einen Körper, ein Gesicht, über das ein Video flimmert. Tanzt da jemand? Die Gestalten kommen uns seltsam vertraut vor. Dann eine Erleuchtung - das sind doch Spice Girls! Die sprichwörtliche Projektion sehniger Teenie-Idole auf einen Frauenkörper, der von Essstörungen und den Kampf gegen eine erdrückende Welt erzählt. Yade Yasemin Önders Text ist rhythmisch, das Video von Katharina Merten brennt sich auf der Netzhaut ein. fünf bewertet nicht, sondern beschreibt und lässt uns still und erschüttert zurück. 

Vielen Dank an die beiden Künstlerinnen für diesen starken Input!

Anna Rebecca Jacob
13. Juni 2020
15:09

Artists in Residence #4
Gespräche mit Hanni

Mit Christian Hödl und Wach bleiben hören wir eine Geschichte, zwischen Heimat und Entfremdung, Intimität und Anonymisierung, Gesundheit und krank sein.
Hödls Stimme dabei eine Variation aus Hochdeutsch und Dialekt, ein wenig nasal, verletzlich und ein starker Kontrast zu den harten Themen, den rohen, düsteren Situationen, in die wir dem Protagonisten und Hanni folgen.

Unser Eindruck? Schwer zu beschreiben, denn wir hören gerne zu, sind aber zugleich zu nah dran an den Ängsten, an den Befürchtungen und müssen teilnehmen an Empfindungen, die uns unangenehm berühren. Haben trotzdem das Gefühl von Einsamkeit, von Isolation, davon, der Realität entrücken zu müssen. Denn:

Irgendetwas muss man ja darstellen.

Malu von Marschall
13. Juni 2020
14:30

Experiment Schreiben

Wie lustig sind denn eigentlich Norwin und Ralph Tharayil? Wir sehen die beiden Brüder gegenüber sitzen, sie schreiben zusammen, lachen sich gegenseitig aus... und sie stellen sich einige Fragen, reden ganz offen über ihren Schreibprozess: geht man* eigentlich völlig intentionslos an ein leeres Blatt Papier ran? Wie schreibst du? Was sind Filler-Sätze? Wann ist man völlig hilflos? Wie erzeugt man Realität?

Bist du auf Wikipedia?

Im Schreibshowdown sieht man, das kollektives Schreiben manchmal gar nicht so einfach ist - obwohl sich Norwin und Ralph ja nun schon ein Weilchen kennen. Sätze werden ignoriert, nicht weiter geführt. Eine Partei hat vielleicht mal eine Schreibblockade, die andere Partei reißt die Handlung plötzlich in eine ganz andere Richtung.

Am Ende werden die Sätze zusammen geschoben, in Blocksatz gesetzt. Das Ganze bekommt eine Überschrift und fertig - wir haben einen Text.

Die Tharayil Brüder sind wirklich allerliebst und dieses Format ist echt großartig.

Katrin Griebenow
13. Juni 2020
13:52

Und dann ist es da. Das. Gefühl. In einer Welle zu sein."

Der Sommerwind bläst in unser Arbeitszimmer. Unter dem Fenster fließt ein kleiner Fluss, die Lamme, entlang und rauscht leise. Wenn man die Augen schließt, fühlt es sich tatsächlich ein bisschen an wie die Algarve, die Laura Naumann in ihrem Debütroman Swell beschreibt. Kurz öffnen wir unsere Augen und schauen doch nur auf Harzer Fachwerkhäuser. Das Buch scheint ein guter Ersatz zum Reisen. 

Laura mischt ihren deutschen Text mit englischem Dialog und portugiesischen Worten, sie gendert und klingt bei alledem so natürlich und leicht. Dann kippt die Szenerie, als die Protagonistin mit dem Auto liegenbleibt. Wir werden mit bergab gerissen in Erinnerungsfetzen und Geschichten und dem Leid, das man als Frau in unserer Welt ertragen muss. Plötzlich wird die Sommerbrise kalt, als würde sich ein Gewitter über uns entladen.

Tatsächlich beginnt es in diesem Minuten zu blitzen und donnern über Bad Salzdethfurt. Wir sind wohl nicht die einzigen, die von Laura mitgerissen wurden.

Anna Rebecca Jacob
13. Juni 2020
13:35

Mission erfüllt?

Fatima Kahn und Matin Soofipour Omam im Gespräch über Postkolonialismus, Feminismus und persönliche Erfahrungen mit struktureller Ausgrenzung im Kulturbetrieb.

Während Matin von den Bemühungen der Theaterhäuser spricht, sich diverseren Sicht- und Erzählweisen zu öffnen und dabei häufig doch noch die weiße Perspektive und das Empfingsvermögen des weißen Publikums im Mittelpunkt stehen, berichtet Fatima zusätzlich über die q[lit]* clgn, das feministische Literaturfestival und das Fehlen weiblicher* Räume im Literaturbetrieb.

Hier in Deutschland hat mich aber niemand nach meiner bereits vorhandenen Kompetenz gefragt und ich habe gelernt, nicht auf so etwas zu warten - sondern einfach machen. (Matin)

Ich habe mir die Räume, die ich vermisst habe, auch einfach selbst geschaffen. (Fatima)

Fazit der beiden: Die Spannung zwischen Tokenism, Sichtbarmachung, Repräsentation und Vermittlung wird viel zu häufig nur scheinbar bearbeitet, das Mindestmaß an Diversität lässt sich vorschieben, damit die Mission als erfüllt gilt. Sie wünschen sich:

Mehr Mut, mehr Solidarität, mehr Transparenz, mehr Lust, mehr Kunst.

Ein spannendes Gespräch (oder war es ein gelesener Chat?) und schon wieder ein Format zum Nachdenken.

Malu von Marschall
13. Juni 2020
13:09

Amal in Kurdistan

Wir geben dem Google-Streetview-Format noch eine Chance. Heute führt uns Karosh Taha durch ihre Heimatstadt Zaxo in Kurdistan und da wir von ihrem Buch Im Bauch der Königin so beigeistert waren, kommen wir gerne mit.

Wir hören heute die Geschichte nur aus Amal's Sicht, die ihren Vater in Kurdistan besuchen will. Sie fällt auf, weil sie ganz anders ist als die anderen Frauen hier...

ich könnte meinen Spaziergang mehr genießen, wenn mich die Leute hier nicht angaffen würden

Karosh und Carla vom PROSANOVA Leitungsteam führen uns in ein Zimmer, es wird erklärt: dies ist nicht Amals Zimmer, sondern eher ihr Zustand - also chaotisch kafkaesk... so langsam wollen wir dieses Buch ganz dringend lesen!

Einmal quer durch Zaxo erzählt uns Karosh auch von der Zeit, in der sie als Kind selber hier gelebt hat. Sie erinnert sich nicht mehr an alles, aber vermittelt uns trotzdem einen wirklich guten Einblick.

Fazit: unsere Taxifahrt-Format-Meinung hat sich eindeutig geändert!

Malu von Marschall
13. Juni 2020
10:57

Guten Morgen Welt!!

Das PROSANOVA hat heute wohl technische Schwierigkeiten und startet deshalb ein wenig später... wir verlängern also unser Frühstück und hören vielleicht noch ein*e "Artist in Residence" an.

Wir wünschen euch einen wundervollen Start in den Tag!

Anna Rebecca Jacob
13. Juni 2020
0:51

Eine Nacht im Rausch - Die Entwicklung der Knoten

Dadaistische Soundpoetry zum Tagesabschluss. 
Laute, die kaum Worte sind.
Bass pocht auf den Trommelfellen, den ganzen Tag schon die Hörer im Kopf aber jetzt -

Lyrik, die sich anfühlt wie eine betrunkene Nacht in der Stadt.
Wir brauchen ein bisschen, um zu folgen, aber dann fängt uns der Rhythmus und wir springen zusammen über die Silben, von Echo zu Echo.
Ein ganzer Chor liest uns Geschichten vor, aus einer Stimme und wir haben richtig Spaß an diesem Soundknoten, der sich hier aufwickelt, verdichtet, steigert...

Danke an Niklas L. Niskate für diesen Tagesabschluss!

Katrin Griebenow
13. Juni 2020
0:37

Uns gehört die Welt!

Armin Djamali ist im Gespräch mit Faraz Shariat, Paulina Lorenz und Raquel Molt, dem Kollektiv Jünglinge, die über ihren Film Futur 3 sprechen. Coronabedingt wurde dessen Premiere in den Herbst verlegt, was sehr schade ist, denn wir hätten ihn gern schon jetzt gesehen. Zugehörigkeit. Zuschreibung. Queerness. Jünglinge eröffnen uns die Perspektive einer (post-) migrantischen Generation und erzählen offen von ihren Gedanken zum Film, von kollektiver Arbeit und geteilter Verantwortung. 

Ein interessanter Einblick in die Arbeit junger Filmschaffender. Wir haben schon Kinokarten für die Premiere bestellt!

Malu von Marschall
13. Juni 2020
0:11

Artists in Residence #3

- B ist defintiv einfach mal eine Stadt -

Elif Güzel liest Aufleuchtendes Dunkelblau. Sie ist schon ziemlich sympatisch, man* fühlt mit wenn sie sagt:

Ich versteck mich ganz gerne an den ungewöhnlichsten Orten

Doch die Kontraste, mit denen sie arbeitet, sind irgendwie nicht durchdacht. Sie benutzt Metaphern, die keinen Sinn ergeben - jedenfalls nicht für uns. Bruchstückhaft lässt Elif uns in ihre Erinnerungen eintauchen, oder in was genau eigentlich?

Denn wir bekommen Eindrücke einer Stadt - malerische Szenen, träumerische Abschnitte - Alltagsbeschreibungen - Müllabfuhr, Behörden. Dann zwischendurch wieder abschweifende, verlorene Gedanken:

Wann hatten sie das Gefühl, Fragen nicht mehr an Menschen sondern an Bücher richten zu wollen?

Wenn Elif über ihre Mutter spricht - ist es ihre Mutter? - die sie am Leben hält im Schwabenland - dank ihrer mediterranen Sehnsucht... verblühte Bedeutungen, Lametta-Regen. Was bedeutet der Sumpf? Wer ist der Ballon?

Leise kullerten die kleinen Tränen dahin.

Es ist schon spät.

Malu von Marschall
12. Juni 2020
23:15

An wie vielen Sonnen lässt sich die Glut messen?

Ronya Othmann liest In den Fugen sitzt der Tod. Fragen über Fragen, mit wachem Interesse. Pflanzenmetaphern, natur-nahe Szenen. Assoziativ.

Prosaisch anmutende Lyrik plätschert wie eine Gute-Nacht-Geschichte und zeichnet hübsche Bilder in unseren Köpfen.

Es ist ja auch schon dunkel draußen, wir sind zwar müde, aber immer noch da.

Anna Rebecca Jacob
12. Juni 2020
22:31

Einführung 1: strategisches Lügen

Wenn künstlerische Arbeit ein Potenzial hat, dann ist das die Fiktion und dann ist das die Möglichkeit, jemand anders zu sein, eine andere Geschichte zu erzählen...

Max Czollek stellt sich eine Frage: Was passiert mit der Spannung, die dort entsteht, wo diskriminierungskritische Kunst produziert wird? Wie umgehen mit dem Anspruch, durch künstlerisch handelnde oder dargestellte Körper genau diese kritische Praxis zu beweisen, zu authentifizieren? Wie ver- und behandeln wir Rollen und Zuschreibungen, wie kann the other unterlaufen werden und müssen wir immer die Wahrheit preisgeben?

Czollek berichtet von eigenen Erfahrungen mit postmigrantischer, diskriminierungskritischer, diverser Kunst, wirft Fragen auf, bringt zum Nachdenken.

Schade, dass es auf die Länge etwas anstrengend wird, diesem schweren Thema zu lauschen und den essayistischen Ausführungen zu folgen.
Wir hätten uns auch auf eine gemeinsame Diskussion gefreut, lieber Max!

 

Katrin Griebenow
12. Juni 2020
22:19

Schützen Jungfrauen Fische?

Astrologie. Hier scheiden sich die Geister. Tatjana von der Beek arbeitet gerade an ihrem Romanprojekt Die Schwere des Wassers und lässt sich dafür von den Sternen inspirieren. Das ist für sich genommen nicht verwerflich, eigentlich sogar ein spannende Projektidee, doch wie sich Horoskope für die literarische Arbeit nutzen lassen, steht bei Konstellation: kollektiv nicht im Vordergrund. Stattdessen geht es hauptsächlich um die astrologische Analyse der Leiterinnen des PROSANOVA und ihrer Gruppendynamik. Die Anwesenden kichern wissend, ob in Zustimmung oder nicht, das bleibt offen. 

Für das Festival war es ein Gewinn, die verantwortliche Gruppe kennenzulernen, aber literarisch hat uns dieser Beitrag nicht allzu sehr bereichert. Vielleicht muss man dazu aber auch einfach an Horoskope glauben.

Malu von Marschall
12. Juni 2020
22:06

Badezimmer Lektüre

 

Der deutsch-schweizer Lyrikwettbewerb Textstreich wurde von Robyn Muffler und Anna-Daria Kräuchi initiiert und im Vorfeld ausgeschrieben. Die Kooperation zwischen dem PROSANOVA und dem Literaare-Festival in Thun sollte eine Verbindung der Szenen schaffen und außerdem den Gewinner*innen eine Festival-Tour ermöglichen (diese, wie alle wissen, hat ihre Form nun drastisch geändert).

Neben Workshops und den Lesungen erscheinen ihre Texte im Literaturmagazin Das NARR und in der BELLA.

Der Textstreich-Wettbewerb ist nun also ganz anders als geplant. Wir sehen vier Videos: jede*r der Gewinner*innen trägt etwas vor und eines gestalten sie alle zusammen.

Jana Engelhardt sieht man* doppelt, sie erzählt von stillen Wasser und endet auch im Wasser.

die Erde muss jeden Morgen kotzen, weil sie Mutter ist...

Jan Seibert sitzt intellektuell in der Badewanne, seine Brille steht ihm äußerst gut - man* hört ihm gerne zu.

wie viele Dinge gehören zum Kontext?

Kim de l'Horizon referriert aus hauseigener Corona-Oase. Hier war die Triggerwarnung wirklich angebracht...

vor Jahren war ich splitternackt

Zusammen sind sie ein gutes Team, das vierte Video ist sehr gelungen. Wir fragen uns: haben die drei Künstler*innen zusammen gedichtet oder würden die einzelnen Beiträge auch für sich genommen funktionieren?

Malu von Marschall
12. Juni 2020
19:54

Wovon gehen wir aus?

Wir wissen gar nicht, was wir am besten finden: die beruhigenden Stimmen von Bühnenpoetin Tanasgol Sabbagh und Autor Ralph Tharayil, die Sprache, das Blumen-Video oder die Fragen, die aufkommen.

wir müssen davon ausgehen, dass ich eine Stimme besaß

My music is lost, I bite my tongue nimmt uns mit nach Lesbos zu Zeiten der alten Griechen und auf den Hindukusch. Wir schwelgen in Erinnerungen an "Griechische Sagen" - sprachlich wie bildlich, sind begeistert von Formulierungen und feiern die Wortwahl.

man hat uns hier her gedrängt

Wir hören von Sappho und Zahra, zwei Gestalten aus unterschiedlichen Welten. Wir hören sie reden, fühlen ihren Schmerz und ihre Angst. Kennen sie sich? Lieben sie sich sogar? Treffen sie sich überhaupt wirklich?

weil ein Seufzer keine Sprache ist

Während wir der fantastischen Poesie lauschen, sehen wir zwei Paar Menschen-Hände Blumen sortieren. Sie abschneiden, beschneiden, in Vasen stecken, wieder heraus nehmen, vertauschen, neu ordnen und durcheinander bringen. Wann ist etwas fertig, fragen wir uns?

bitte, bringt mich nicht zurück

Melancholie macht sich breit, der Flair von Meeresluft und alten Liedern zieht in unsere Herzen und wir sind irgendwie erstmal stumm.

erlösung kann man nicht essen

Katrin Griebenow
12. Juni 2020
19:33

Die Partie zieht sich

Cihan Acar und Tonio Schachinger unterhalten sich bei Fifa Forever über ihre Romane Hawaii und Nicht wie ihr. Leider läuft nur eine Aufzeichnung des gemeinsamen Fifa-Spiels während des Gesprächs, was wirklich schade ist, denn mit ein bisschen Konsolen-Action hätte sich die knappe Stunde sicher nicht so sehr gezogen. Erst in Minute 47 nimmt das Gespräch, das vorher eher gemächlich vor sich hingeplätschert ist, an Fahrt auf: Die gesellschaftliche Sicht auf Spitzenfußball kommt auf den Tisch, fallengelassene Vergewaltigungsvorwürfe gegen Profispieler/Halbgötter, den Ausverkauf des "Volkssports Fußball" an große Investoren und die Absurdität von Bundesligaspielen in Corona-Zeiten.

Dieses Format hätte vor Publikum sicherlich auch mehr Spaß gemacht. 

Anna Rebecca Jacob
12. Juni 2020
19:01

Althochdeutsch vs Zukunftsslang

Wir haben gelernt, dass uns das Übersetzen aus der Zukunft von Formzwängen und das Übersetzen aus der Vergangenheit von Innovationszwängen befreit.

Treffen Ice Cream Star (Sandra Newman) und Unmögliche Liebe (Tristan Marquardt, Jan Wagner) aufeinander, fragt Ice Cream Star: Und was ist der Witz?

Das fragen sich Milena Adam, deren Übersetzung von Ice Cream Star wir bereits lauschen durften, und Tristan Marquardt in einem lockeren Gespräch und finden einige Pointen, über die sich diskutieren lässt.

Über die Verantwortung der Übersetzung zum Original, dem Freiwerden von Erwartungen und Zwängen, von der Stellung des eigenen kreativen Schaffensprozesses und den Unterschieden zwischen Retrospektive und Vorausschau - ein interessantes Gespräch, das, ja, auch seine Längen hat, aber genauso auch neue Perspektiven aufzeigt.

Malu von Marschall
12. Juni 2020
17:51

Die Dämonen sind wir

Irgendwie hatten wir bei Carla Cerdas Unterwasserwesen ein Video erwartet, das tatsächlich schwimmende Fische im Ozean zeigt. Doch bekommen haben wir etwas anderes: ihre Stimme.

Wir schließen also die Augen und genießen die Minuten der Lyrik, die uns gleich in den Kopf steigt. Die Geräusche im Hintergrund sind zuerst schwer zu identifizieren. Ein Auto? Oder ein Skateboard? Vielleicht ein Zug? Nein, zu leise. Ein Fahrrad, defintiv, irgendwo draußen. Ein Hund, auf jeden Fall, ein Gebüsch?

Zwischen Zahlen, die wir nicht verstehen und Stachelhäutern - von denen wir nur eine vage Vorstellung im Kopf haben - schallt das Echo des Flusses. Präventive Whatsapp-Gruppen kennen wir zu genüge und Rachegedichte auch. Dass unser Aufzug irgendwann auf dem Meeresboden landet war ja klar, wieso sonst auch der Titel Unterwasserwesen?

Gerne hätten wir den Text vor Augen, würden mit Vergnügen den Zeilen folgen, die wir hören. Deshalb kaufen für uns jetzt die 9. Ausgabe der Zeitung "Die Epilog".

Katrin Griebenow
12. Juni 2020
17:25

NÄHE NÄHE NÄHE

Karen Köhler und Florian Kessler lassen uns teilhaben an einer Woche im Chat. Wir bewegen uns dicht heran an Vogelküken, Krisen und Orte, die schmerzen. Karen  schreibt:

In einer sich so wahnsinnig schnell drehenden Welt hinken wir mit prosaischer Literatur vielleicht immer etwas hinterher

Nähe ist ein kostbares Gut in den Corona-Times, die die Brennpunkte unserer Welt zum Auflodern zu bringen scheinen. Wir können den Eindrücken der beiden angenehm folgen, uns inspirieren lassen und von dort weiter denken. 

 

Malu von Marschall
12. Juni 2020
17:17

Wie fassen wir das jetzt in Worte?

Der tiefe, nahe Blick in die Kamera verrät uns bereits: das hier wird dramatisch. Und ernst. Jennifer Sabels Performance zu den Minidramen von Aglaja Veteranyi ist sensationell. Einfach, ohne Requisite, aber nur durch ihre Mimik und die Worte, die sie sagt: mitreißend und einfühlsam und traurig und wunderschön.

Das Format, dass sich mit der Frage beschäftigt:

Was bleibt von den Worten, den Werken verstorbener schreibender Personen? Wie können Worte nachhallen, nicht vergessen werden?

... wühlt uns emotional ziemlich auf und stimmt uns nachdenklich. Vor allem, wenn man die spektakuläre Lebensgeschichte der Autorin liest. Wir fragen uns gerade: wie fassen wir das in Worte? Wie bringen wir euch - den LeserInnen dieses Blogs - nun bei, wie wir uns fühlen nach diesem Exkurs ins Surreale, in die Ungewissheit?

Anna Rebecca Jacob
12. Juni 2020
17:05

Gurbet
türkisch für ?

Habt ihr euch schon einmal in folgender Situation befunden?
Familienfeier, ihr sitzt beisammen bei Tisch, ein*e Verwandte*r spricht und du antwortest und - oh nein, du hast dich nicht einfach des generischen Maskulinums bedient, sondern tatsächlich von "Studierenden" oder sogar von "Mitarbeiter*innen" gesprochen! Und schon bricht die Diskussion los, bis irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem du einfach nicht mehr weißt, was du noch sagen sollst?

Kübra Gümüşay legt in den 27 Minuten ihrer Lesung aus Sprache und Sein eine Bandbreite an Argumenten, Beispielen und Anekdoten zur Bedeutung unseres Sprechens für die Realität, in der wir leben, auf den Tisch, die noch die stursten Sprachwandelkritiker*innen zum verstummen bringen sollten.

Auch hier passiert im Grunde nicht viel - wir sehen Gümüşays Gesicht, die Kante ihres Buchs, zwischendurch eine gestikulierende Hand. Und trotzdem fängt die Autorin uns mit ihrer charismatischen Art so schnell, ein, dass wir noch ein zweites Mal zuhören mussten.

Wir müssen uns mit der Architektur der Sprache beschäftigen, die unsere Realität erfassen soll, damit wir aussprechen können, was ist, damit wir sein können, wer wir sind, damit wir sehen können, wer die jeweils anderen sind.

Sprache verstehen zu lernen, als die Macht, die Mauern einzureißen, die unsere Gesellschaft begrenzen - darum geht es hier.

Gänsehaut und große Dankbarkeit für dieses wichtige Buch!
Wir wollen mehr!

Malu von Marschall
12. Juni 2020
15:31

Der Prozess des Schreibens

...ist ja immer anders, jede*r Autor*in hat da ganz unterschiedliche Wege. Isabelle Lehn lässt uns heute an ihrem ganz persönlichen Prozess teilhaben.

Während wir zuschauen wie Isabelle schreibt, sehen wir auch wie sie durch den Park läuft, sich auf eine Parkbank setzt und versucht, in die Notaufnahme zu gelangen - sie will Dinge erleben.

Auf einer Parkbank sitzen und in ein Handy tippen kommt mir weniger verdächtiger vor, als mir Notizen zu machen, mit Stift und Papier.

- WE CAN RELATE! -

Isabelle beschreibt, was sie sieht. Wir beobachten die Verschriftlichung der Ereignisse und das auf eine ziemlich witzige Art und Weise. Zwischen tiefen Seufzern der Autorin und kurzen Unterbrechungen ihres Freundes finden wir: die Verbindung von Sprache und Bild ist richtig gut umgesetzt.

Wir hoffen nur, dass Isabelles Freund sich nicht wirklich mit Absicht den Zeh gebrochen hat, um in die Notaufnahme zu kommen...

Anna Rebecca Jacob
12. Juni 2020
14:55

Und noch eine Fußball-Story

Allerdings eine, in der Sport eher Mittel zum Erzählzweck ist, denn eigentlich geht es um Lebenskrisen, Identitäten, Herkunft, Heimat, Schuld und Herzschmerz. 

Cihan Acar liest Hawaii, sitzt dabei vor grauem Hintergrund und trinkt aus Werbegläsern - willkommen zur Wasserglaslesung des Debütanten. Wir könnten uns jetzt beschweren, dass weder Format noch die Storyline uns von den Socken haut. Kommt uns irgendwie bekannt vor, haben wir so ähnlich schon einmal gelesen.
Trotzdem laden Acars Sprache und seine Charaktere, die sich lesen wie die Leute aus der Nachbarschaft, zu entspannten Schmökerabenden ein.

Vielleicht keine unglaublich bahnbrechende Geschichte, dafür eine wichtige neue Stimme!

Malu von Marschall
12. Juni 2020
14:33

Artists in Residence #2

Essen mit Sina
photo by Malu von Marschall

Sina Ahlers isst - genau wie wir übrigens - und ignoriert die Fragen ihres Gegenübers komplett...erster Eindruck: saumäßig sympathisch diese Frau!

Die Lesung von Originale geht unter die Haut. Die Worte sind auf den Punkt, poetisch. Der Text ist traurig, reflektierend, tief. Richtig real. Vielleicht verstörend - wenn man sich richtig drauf einlässt - aber auf eine gute Weiße.

Der Mensch kann sich nicht häuten

Schließlich soll man* sich ja auch mit den Dingen auseinander setzen.

Malu von Marschall
12. Juni 2020
13:55

Ivo und der Fußball

Worte wie "gelungen", "spannend", "originell" oder "vielversprechend" sind Worte, die man als gewissenhafte Literaturstudentin nicht in Rezenssionen benutzt - weil sie nicht beschreiben, was wirklich empfunden wird. Weil jede*r diese Worte benutzt und als Literaturstudentinnen wissen wir, dass das nicht reicht, um wirklich zu erzählen, was eigentlich abgeht. 

Oh man sorry, aber genau diese klischeehaften Worte beschreiben die Lesung und das Buch von Tonio Schachinger so perfekt! Wir sehen einen sympathischen Kerl in einer klassischen Wasserglas-Lesung. Erst denken wir, "öh ok, na das wird ja sehenswert". Doch dann fängt Tonio an, aus seinem Roman Nicht wie ihr zu lesen und alle unsere Vorurteile sind wie weg gepustet. Was für eine Stimme! Ruhig und gleichmäßig erzählt uns der Autor über seinen Protagonisten Ivo, offenbar ein Fußballstar und ein ziemlich cooler Typ.

Ein Sportroman also, hm. Das name-dropping ist teilweiße für uns Fußball-Noobs ein wenig schwierig, aber irgendwie werden wir hier gerade ganz schön mitgerissen...das Buch ist wirklich spannend und wirklich vielversprechend! Und was für eine gute Idee, Fußball literarisch zu vewerten. Das haben wir noch nicht gelesen, nicht in dieser Form... das ist auf jeden Fall noch ein weiteres Buch für unsere Liste!

 

Anna Rebecca Jacob
12. Juni 2020
13:42

Lesung an der Goldküste

Junge Literatur, ja, aber nicht zu jung - zumindest nicht jugendfrei!
Sekt und Kaffee, Praxis, Wohnzimmer und Züricher Seenlandschaft - Corinna T. Sievers, ihres Zeichens 70% Kieferorthopädin, 30% Schriftstellerin, erlaubt uns Einblicke in ihr Leben zu nehmen und lässt auch literarisch tief blicken.

Es wird vom IPhone gelesen, im Hintergrund plätschert (etwas zu) laut das 13°C warme Züricher Wasser und wir folgen einem Chirurgen, von dem wir keinen Namen erfahren, in seine Affäre mit Martina und ein Gedankengut, dass uns, sagen wir... unangenehm aufstößt.
Absicht? Wir erkennen das Pornografische in Sievers Lesung (es springt uns förmlich an) und die Autorin berichtet im Voice-Over, während sie ein Modellgebiss präsentiert, von der Triebfeder ihres Schreibens: dem Scheitern der Geschlechter aneinander und der Problematik erotischer Kunst, echte Intimität darzustellen.

Dabei müssen wir leider zugeben, wohl auch zu den Leser*innen zu gehören, die ihre Ironisierung erotischer Sprache nicht verstanden haben.

Unser Fazit: Eine interessante Wahl und Ergänzung im Programm, sicherlich etwas, zum darüber streiten. Auf unsere Hotlist werden es Sievers Romane wohl nicht schaffen - aber die Bestseller-Sticker lassen sich ja eh auch gut selbst auf die Cover kleben.
Vielleicht hätte uns eine eye-to-eye Lesung mehr überzeugt.

Katrin Griebenow
12. Juni 2020
13:23

Was bedeutet es, ein Mensch zu sein im Angesicht von künstlicher Intelligenz?

Raphaela Edelbauer liest aus ihrem noch unveröffentlichten Manuskript DAVE und erzählt von ihrem Schreibprozess. Wir hören Ausschnitte einer literarischen Geschichte des Universums und der Entwicklung des Lebens zur KI. Zehn Jahre Arbeit stecken in diesen Worten und die Erkenntnis, dass die eigenen Fähigkeiten manchmal nicht ausreichen für die Geschichte, die erzählt werden will

Nur zu gern wären wir ins Gespräch eingestiegen und hätten uns am liebsten heute Abend mit Raphaela auf dem Festivalgelände auf ein Bier getroffen und mehr über ihre Arbeit erfahren, wie sie es vorschlägt - diese Möglichkeit verwehrt uns der digitale Raum leider. 

Malu von Marschall
12. Juni 2020
12:52

Taxifahrt mit Otto

Dana von Suffrin und Clara vom Leitungsteam des PROSANOVA nehmen uns mit nach München und vor allem mit in das Leben von Otto.

Otto ist ziemlich krank und schafft es trotzdem, seine beiden Töchter zu ärgern und ihnen das Leben irgendwie schwer zu machen - das Verhältnis wird nicht ganz klar - wir wissen nicht, ob wir Otto mögen sollen... "Diese Kinder sind ein Fluch", sagt er zum Beispiel über seine Töchter, obwohl sie sich immer brav um ihn kümmern.

Die Google Earth-Tour, die wir nebenbei erhalten, ist ein wenig ablenkend. So richtig wissen wir nicht, wo wir sind, sind ein wenig orientierungslos. Auch die Spekulationen von Dana von Suffrin und Clara, wer in welchem Haus wohnen könnte, sind ein wenig verwirrend. Wir fragen uns: sollten wir mal klingeln und die Leute da fragen, ob sie wirklich PragmatikerInnen sind, zwei Kinder haben und der Vater echt Matthias heißt und bei BMW arbeitet?

Das digitale Zusammenspiel zwischen Sprache und Bild funktioniert hier leider nicht so wirklich... aber Dana von Suffrin ist so sympathisch, dass wir ihr das verzeihen. Und trotzdem wollen wir natürlich auch dieses Buch unbedingt lesen (ihr wisst ja, wir nehmen gerne Spenden an :])...

 

Anna Rebecca Jacob
12. Juni 2020
12:34

Traumbeinerisch durch die Dystopie

Milena Adams Stimme liest ihre Übersetzung von Ice Cream Star von Sandra Newman und auch ohne das vom PROSANOVA empfohlene Eis wird uns kalt beim Zuhören.

Brennende Szenen; eine neue Sprache; eine fremde Welt. Nach der Pandemie hat sich alles verändert: Alle Weißen sind gestorben, das Leben der Schwarzen besteht aus wenigen Jahren und dem, was die Evakuierungen übrig gelassen haben. Eine Zukunft, die uns in Corona-Zeiten beklommen macht, weil sie gar nicht so weit weg von uns ist. Wir stellen uns die Frage: Was wäre, wenn....?, und denken lieber nicht weiter.

Wieder zeigt uns das PROSANOVA, die politische Dimension der Gegenwartsliteratur, denn in Ice Cream Star erleben wir das Umkehren unseres Denkens über Kindheit, fremd sein und Familie.

Definitiv ein Fall für unsere To-Buy Bücherliste!

Katrin Griebenow
12. Juni 2020
11:42

Are you dancing better now?

Norwin Tharayil und Jascha Dormann schenken uns einen achtsamen Start in Tag 2 des PROSANOVA. Eine warme Stimme legt sich wie eine Decke über uns, der Atem wird ruhiger, die Schultern senken sich. Glätte. Dann setzt elektronische Musik ein, die genau so auch in einem Club laufen könnte. Reibung

Meditation auf dem mentalen Dancefloor - so lässt sich ein guter Tag beginnen.

Katrin meditiert
[/media-credit] Photo by Malu von Marschall
Anna Rebecca Jacob
12. Juni 2020
10:58

Auf ein Neues!

Tag zwei beginnt mit einer ausführlichen Frühstücks-Stärkung bei uns und technischen Problemen beim PROSANOVA.
Trotzdem starten wir jetzt gespannt ins Programm!

Anna Rebecca Jacob
11. Juni 2020
22:36

Aus dem entmutigt Sein empowern

Scheiße-Listen, die ewig wachsen und nicht zu schrumpfen scheinen.
Scheiße-Listen mit allem, wogegen wir ohnmächtig sind.

Zusammen ist ein Hörspielformat, das nicht nur durch die Soundgestaltung beeindruckt.
Es fallen deutliche Worte, aus denen Wut und Schmerz auf uns wirken. 

Ich will, dass sie aufhören, uns zu töten.

Simone Dede Ayivi und Katherina Pelosi zeigen, wie politisch Literatur sein kann und wir haben Gänsehaut beim Hören mit den Bildern der letzten Tage vor Augen. 

Wir gehen nachdenklich aus dem ersten Tag des PROSANOVA 2020 und haben für heute genug gesagt.

Malu von Marschall
11. Juni 2020
22:23

Wähle eine Seite

Ok aber erstmal, was ist das denn für eine gute Idee? Statt einer stinknormalen Lesung gibt es hier mal etwas interaktives: Karosh Tahas Buch "Im Bauch der Königin" ist nämlich ein Wendebuch. Und das wird hier auch ganz deutlich: für welche Seite entscheidest du dich?

Wir haben zuerst Amal gewählt: das Mogli-Mädchen, das große Jungs vermöbelt und sich die Haare in der Schule abschneidet, weil ihr Zopf zu streng war. Und das sich langsam mit dem neuen Jungen anfreundet, Younes.

Dann gingen wir zurück - weil schließlich waren wir total neugierig und wollten wissen, ob die Oberfläche dann anders aussieht... und wir wählten Raffiq. Die Oberfläche war die gleiche, na gut. Aber der Text war ein völlig anderer.

Denn Raffiq - der aus Amals Perspektive eigentlich einer war, der Younes früher geärgert hat - ist nun, in der Abi-Zeit, Younes Freund. Doch irgenwie scheint es gar nicht um Younes zu gehen, oder um Amal oder Raffiq. Geht es vielleicht um Shahira - Younes Mutter - die im kurdischen Viertel nicht sehr angesehen ist?

Karosh Taha's Text hat uns überzeugt, genau wie das Format.

Und wir wollen alle drei das Buch haben - also wer kauft uns das? Jetzt? Bitte?

(falls ihr nicht wisst wo, folgt diesem Link: https://prosanova-festival.net/buechertisch/)

Katrin Griebenow
11. Juni 2020
21:12

Pralinen und Paragrafen

Judith Keller liest und Walter Wolff zeichnen. Klare, fragile Formen mit einem genauen Auge. Linien wie Worte zeichnen minimalistische Bilder, die sich aufbauen, umspielen und vervollständigen.

Hätten wir dieses Format bei einem analogen Festival so erleben können? Wahrscheinlich nicht. Wäre das ein Verlust gewesen? Definitiv!

Multimediale Lyrik at its best.  

 

Anna Rebecca Jacob
11. Juni 2020
20:44

Wahrheit oder Wahrheit aus weiblicher Sicht

Wir spielen Flaschendrehen mit Helene Bukowski und Isabelle Lehn und erhalten Einblicke ins Sprechen oder Nicht-Sprechen über neue Projekte und das Ernst- oder Nicht-Ernstgenommenwerden als Frau im deutschen Literaturbetrieb.
Mit Begleitung einer Katze in den Confession-Rooms I befragen sich die Autor*innen in lockerer Stimmung über ihre Autorinnenschaft und decken Geheimnisse über Recherche-Prozesse hinter Bestsellern auf.

Wir fragen uns: Passiert hier noch was? und warten die Gespräche in den nächsten Räumen ab ... to be continued ...

Malu von Marschall
11. Juni 2020
19:47

Der Berg, an dem man sich selbst vergisst...

Der Zauberberg lässt grüßen - wenn Anaïs Meier ließt und wir dazu noch das extra dafür produzierte Video schauen, dann fühlen wir uns wie Hans Castorp bei Thomas Mann.

"Im Alpensanatorium - Über Berge, Menschen und insbesondere Bergschnecken" (von denen übrigens keiner weiß, wie es ihnen geht...) ist wie ein Kurzurlaub in den Alpen, ein schwarz-weißer Ausflug in die Berge. Wir konnten gar nicht aufhören hinzuschauen und zuzuhören: Meiers dunkle Stimme mit dem faszinierenden schweizer Akzent ist beruigend und packt uns geradezu ein. 

Eine Jugend auf dem Berg hätten wir auch gerne gehabt - nicht daneben, ist ja völlig klar - aber darauf. Wir hätten ihn bezwungen, oder...?

Anna Rebecca Jacob
11. Juni 2020
19:20

Artists in Residence

Wir sehen die Gesichter der 5 Artists in Residence, lauschen 100 Minuten Lesungen der unveröffentlichten Autor*innen und berichten euch häppchenweise jeden Tag von unseren Eindrücken.

Golestan. Wir folgen Nilufar Karkhiran Khozani in eine Text zum Augenschließen und Mitfühlen. Dann: Augen auf und Gänsehaut. Rauschende Gedanken, assoziative Bilder und verschlungene Sätze führen uns in die Nacht Teherans und Berlins Eingeweide. In ein Leben, das wir so nicht kennen - und doch irgendwie verstehen.

Wir sind Fans!

Katrin Griebenow
11. Juni 2020
17:19

Das PROSANOVA 2020 hat begonnen! Kurz und knackig haben die sechs künstlerischen Leiterinnen das Festival für junge Literatur eröffnet. Derweil sitzen wir in unserem Redaktionsraum und naschen Kuchen, Chips und Pfirsiche (genau in dieser Reihenfolge). Wir erleben das PROSANOVA übrigens gemeinsam in Bad Salzdethfurt, wo jede Viertelstunde der Kirchturm läutet und unseren Festivalbeat bestimmt. 

Katrin Griebenow
11. Juni 2020
16:53

Noch 5 Minuten … Gleich geht es los! Wir haben unsere Zugangcodes schon eingelöst und freuen uns auf die Eröffnung!

Theorien der Literatur

Weitere Beiträge
Sassy Socialist Memes
Sassy Socialist Memes