Travis Scott x Fortnite - Astronomical
Travis Scott x Fortnite - Astronomical

litera_ism_s #1

Travis Scott x Fortnite – Astronomical

WANNA GO TO ASTROWORLD?

Travis Scott x Fortnite – Astronomical

LITERA_ISM_S kommt aus der Welt, der Musik, der Hip-Hop-Tradition von Sample und Sound als literarischer Remix, Körper, Sprache und Traktat, alle zwei Wochen, live from Earth, aus dem Zwischenraum der inzwischen vergangenen Zeit, der Zeitferne, die seit der Zeit, da man den nun neu und neuer laut werdenden Leibergeschreigesang ein für alle Mal zu beerdigen suchte, in der Zwischenzeit groß und stark gewachsen ist, hier, für Sie, liebe Leser*innen, auf Pfeil und Bogen.

ZERFETZTHEIT – Synaptische Mitrealität und Selbst, Dimension in diesen Netzen. Haut! Kunstkontext Skin-Konnexion, miteinander redende Benutzer, Oberfläche an Oberfläche. Kurationskosmos Welt, Natur, gesetzlich Gewusstes, gesetzt Satz, ist Satzgesetz Text, Kunst dagegen, Kunst gesetzt Satzgesetz, Kunst-Kontext-Welt, Kreatur, Körper und Sprache.

Kommunikation ist eine Sache der Macher*innen, nicht und nicht zuletzt der Befehlsstruktur. Paradox? Der Befehl lautet: »I«. Keine Suchoption, kein VERSTECKSPIEL. »I am what I am«, beginnt da etwa Gloria Gaynor, beginne da etwa ich der Melodie im Hirn entgegen den Satz zu beenden: »just go for it – here and now«. Denn klar ist: »I am!« Alles andere ist logisch eine Frage der Spekulation. »I tried to show ’em« heißt es irgendwo, vielleicht bei Travis Scott und Drake, vielleicht auf einem Kollabotrack der Astroworld-LP.

Wozu was taugt, das immer und zunächst Versuch, nicht mehr und doch nicht weniger als neu und neuer dann das alte Lied von Ich und wieder Ich, ein Bühnenschreigesang, so nicht Wider-Ich, sondern »not I« ist, in erster Linie nur ein weiteres Vielleicht und Scheiterhaufen von Ich, ist nicht immer klar, so wie in einem Stück von Samuel Orkus Beckett. Klar ist aber, dass auch nichts nichts nützt und am wenigsten die vermeintlich, weil vorgeblich kluge, weil im Grunde freilich oberpeinliche Denkarbeit an sich selbst. Ich heißt ein physisch Wort und lautet Bewegung, ist gesetzt als Text der Satz der Körper, die Mechanik von Kränkness und Tempo.

Vom Experiment der verstiegenen Stimmen, gefährlich bei Rührung, die Berührung realen Lebens mit der eventuell vorhandenen Qualität zum Beispiel der vielen ersten Tode eines virtuellen Ich zum Beispiel Runde um Runde zum Beispiel in Fortnite, von Schriftgeschmier und Asozialität, zu Collagen aus Wort, Fetzen von Ich und allzu gesprächigen Leiberresten verpresst, Distanz und Abseits. Ambition: geäußert ist sie ein Stück Sprache, eine kontroverse Selbstkritik, Sprachstück und Repräsentationspraxis, gesetzt ein Rede-Gegenrede-Protokoll, ein Ich im Kern, eine Ichkern-Entäußerung sowie immer auch Selbst-Verständigung.

Was natürlich ein Unsinn ist, dass nämlich der poetische Satz von einem Thema aus gedacht, die Bedeutung also von Worten der Geschichte erst ein rechtes Bild etwa der Gefühlsintensität, gewissermaßen ein Inbild erzeugt, ein Recht am Material der Beobachtung, ein Bildrecht, dass also gerade hier das Unausdenkbare, was logisch nicht zu denken, sondern zu praktizieren ist und die unerfindliche Leistung der Poet*innen bezeugt, noch ehe man Geschichte schreibt, immer schon vernichtet ist, denn im Satzbau arbeiten Wörter sortierende Maschinen. Es geht um Addition und Subtraktion von Zeichen und den Sound vor allem der Pausen.

Intonationsspektrum, Rechenkapazität, Frequenz. Ich meine, Komma, über welche Schnittstellen fließt welche Realität in die Wirklichkeit der sogenannten Zeichen, Komma, Fragen genannt, Fragezeichen. Die Formel, Kolon, Realität, Komma, total, Komma, errechnet, Komma, in Relation zum Nullpunkt, Komma, Weltsicht Ich, Solidus, Echtwelt, ist logisch Ichflucht, Punkt. Backspace. Bild und Raum, kaputt gehaut, blickversprengte Zeit. Kapitulation, Dreckswort, Frage, Speicher …

Ich bin müde, mit mir über das ganze Theater zu diskutieren. Und doch – wie und wann wird aus der körperlichen Korrelation eine physische Korrespondenz? Der Fehler liegt vielleicht wirklich dort, wo das Strenge und Erdgebundene der Interdependenz der Form zwischen Nähe und Distanz vom Anblick einer supermontanen, existenzökonomischen Kerkerweltwahrheit verdeckt wird.

Und: keine Frage stellt sich, keine Frage, eine Frage. Sie muss immer und zuerst gestellt werden und zwar am besten auf frischer Tat. Hier liegt das Problem, dass das verdammt nochmal wehtut, was den Vorteil der ahnungslos Fragenden, was die falsche Tat bedingt, denn wer handelt kann logisch keine Untat begehen, was nicht etwa das Verletzungsrisiko, doch aber die Risikobereitschaft senkt. Man geht dahin, wo es wehtut, weil es sein muss, sie gehen mit – am besten mit dem Schädel voll durch die Wand, dass einem davon ein Denken kommt.

Auch mit Menschen seien sie das Mit wie zum Zwischen das Durch. Sie, die Sprache neu und neue Massen sprechen lassen, live on screen. Da hat man sich getroffen. Ich war hell erleuchtet, stand in Flammen. Ich war eine Supernova. Die nur von Chronist*innen etwa mit chronografischem und audiovisuellem Equipment festgehaltene Erfahrung ist unwiederbringlich verloren.

Wir schreiben Klage Wort an Wort Geschichte(n). (Peinlichkeit!) Oder um es mit Steve Reich zu sagen: »Don’t try – come out to show them«.

LITERA_ISM_S sei dem Andenken an TEMPO und SPEX gewidmet, die den peinlichen Versuch, über (alle) Welt zu berichten, peinlich genau exerziert und mit mehr oder weniger Mut und, und das ist das Gute, dass und gerade weil es zeigt, worum es geht, wenn auch immer und zuletzt um die Behauptung, mit literarischen Mitteln berichtigt haben, wovon sich nicht berichten lässt, da schon ein Wort der Wahrheit eine ausgemachte Peinlichkeit, die Literatur logisch oberpeinlich ist, indem sie, und das ist das Beste, aus (allen) Welten berichtet und von der ausgemachten Peinlichkeit nicht sich separiert, sondern Peinliches nicht nur versucht, sondern wirklich gemacht haben, es wirklich gemacht haben. TROTZDEM. Requiescat in pace.

Travis Scott x Fortnite - Astronomical
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Bild mit freundlicher Genehmigung von Tobias Schulz

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