tiefe
© Alexander Schuchmann

Kannst du mir ein Gefühl beschreiben oder die Tiefe

Präteritum oder der Tod

Jester und ich fuhren auf der Autobahn Richtung Norden. Seine Schminke bröckelte. Er puhlte sich weiße Flocken aus dem Gesicht.

    „Du weißt, dass du irgendwann damit aufhören musst?“

    „Womit?“

    „Allem.“

    „Hm. Und du weißt, dass du nur eine Erfindung bist?“

    „Meine ich ja.“

Die Ortsnamen auf den Autobahnschildern wurden unleserlich. Zuerst formten die Buchstaben keine Wörter mehr, dann gab es nicht mal mehr Buchstaben.

    „Hast du Angst?“

    „Wovor?“

    „Dem Ende.“

    „Das war doch schon.“

Jester lachte wie nur Jester lachen konnte. Rückhaltlos. Es graupelte. Das Wetter verschlang die Landschaft. Nur noch die Straße existierte.

    „Du glaubst also, das hier ist die Zugabe?“

    „Manchmal.“

    „Und wenn auch die vorbei ist? Wenn sie aufhören zu klatschen? Was dann?“

    „Mal schauen.“

Jester klappte die Sonnenblende herunter. Er zog eine Schere aus der Tasche und fing an, sich die Haare zu schneiden. Fettige Strähnen fielen in den Fußraum.

    „Ich habe dich singen gesehen.“

    „Machst du das auch wieder weg?“

    „Sah gut aus.“

    „Du mich auch.“

Als er fertig war, klappte er die Sonnenblende wieder nach oben. Seine Gesichtszüge wirkten strenger mit den kurzen Haaren.

    „Komm schon. Wir beide wissen, dass es kein Happy-End geben wird.“

    „Was willst du eigentlich von mir?“

    „Dass du dich entscheidest.

    „Morgen vielleicht.“ Ich schaltete runter in den Vierten, beschleunigte und wechselte auf die linke Spur. Wieder hoch in den Fünften. Das Gaspedal ganz durchgetreten.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Alexander Schuchmann | Pfeil und Bogen

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