Hengameh Yaghoobifarah, Blogger*in, freie Journalist*in und Redakteur*in beim Missy Magazine, war zu Gast im Seminar „Genderpolitisches Schreiben“. Sie hielt einen Vortrag, wir unterhielten uns, wir fragten, sie antwortete, es wurde viel gesprochen, über viel gesprochen. Dann standen wir vor der Frage: Wie dieses Viel an Themen und Wortmeldungen in einen kleinen Artikel packen?

Die Antwort findet ihr hier als eine kleine Sammlung von Highlights. Das gesamte Gespräch könnt ihr auf litradio http://litradio.net/ich-habe-ja-nicht-die-deutsche-sprache-erfunden/ nachhören.

P&B:
In deinem Vortrag hast du unter anderem über den Machteinfluss von Sprache, deren Wandel und der Notwendigkeit von Sprachwandlung in Bezug auf Diskriminierung im Allgemeinen gesprochen. Welche Bedeutung hat Sprache in diesem Sinne für dich?

H.Y.:
Sprache macht unser Denken aus und beeinflusst die Art, mit der wir die Realität wahrnehmen. Es ist wichtig, sich kritisch mit Sprache auseinanderzusetzen, wenn eine_r schreibt, weil wir durch unsere Wortwahl vermeintliche Wahrheiten schaffen. Gerade im Journalismus und im Literaturbetrieb ist das Andern/Othering durch Sprache ein wichtiges Thema, denn die Art, wie Normen verfestigt werden, können wir ändern. Etwa, indem wie die Hautfarben von BPoC nicht mit Lebensmitteln vergleichen, auf Selbstbezeichnungen von Communities achten und Begriffe als ein Produkt von Geschichte betrachten.

P&B:
Mit dem Begriff als Produkt von Geschichte geht eine Breite an Definitionen und Auslegungen eines Ausdrucks einher, so auch bei dem mittlerweile sehr populären Begriff des Feminismus. Was bedeutet Feminismus für dich und welchen Wert schreibst du ihm zu?

Feminismus bedeutet für mich die Auflösung der Geschlechterbinärität

H.Y.:
Feminismus bedeutet für mich die Auflösung der Geschlechterbinärität und ein Zusammendenken der Kategorien Gender, Race, Class und Ability für das Überwinden einer patriarchalen, rassistischen, homo- und transfeindlichen, klassistischen, ableistischen Gesellschaft, hin zu einer gleichberechtigten.

P&B:
Inwiefern schreibst du deinem Blog Queer Vanity https://queervanity.com/ damit einen politischen Wert zu? Was bedeutet Mode für dich?

H.Y.:
Mode ist ein Kommunikationsmittel, das auf eine wiederständige Art genutzt werden kann. Das verhandle ich auf dem Blog.

P&B:
Eine andere Art der Kommunikation ist das direkte Gespräch – wie verhältst du dich, wenn du merkst, dass dein Gegenüber auf deine Argumente und Haltung nicht eingeht?

H.Y.:
Wenn mein Gegenüber aus der Defensive nicht mehr herauskommt, achte ich auf meine eigenen Grenzen und verlasse die Diskussion. Wenn es der Person wichtig ist, meine Perspektive zu verstehen, wird sie später noch mal auf mich zukommen.

P&B:
Wer inspiriert dich in deinem Handeln und Denken?

Das Wachstum und die Heilung von Menschen, die mir nahe stehen.

P&B:
Und nun noch eine kleine abschließende Frage: Wovon bist du so richtig Fan?

H.Y.:
Von meinen Freund_innen, Memes und Menschen, die sich entgegen gesellschaftlicher Normen selbstbestimmt und selbstbewusst nehmen, was ihnen zusteht.

Das Interview führten:
Lea Teelau // Leonie Wyss // Antonie Partheil

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Ute Döring