hedonismus supererogation
By JohannVanbeek - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22707081

Hedonismus und Supererogation

Moralisch zu leben ist nicht unbedingt mit glücklich oder erfolgreich leben gleichzusetzen, dennoch ist es so, dass diejenigen, die nach Glück streben es immer wieder verfehlen, während andere es bei der Beschäftigung mit gänzlich anderen Zielen finden, was als „Paradox des Hedonismus“ bezeichnet wurde. Ziele, die zum Glück führen, können sowohl altruistischer Natur sein als auch das Streben nach Perfektionierung einer Fertigkeit beinhalten, was zu Flow1Flow entsteht, wenn Fähigkeiten und Anforderungen zueinander passen. Da die wiederholte Ausführung einer Aufgabe zu einem Anstieg an Fähigkeiten führt, ist der Flow-Kanal ansteigend führt. Der Mensch ist ein soziales Wesen und Ethik kann als etwas fungieren, was das Zusammenleben regelt.

Da die Menschheit auf ökologische Ressourcen angewiesen ist, gilt es auch den Umgang mit ihnen zu regeln. Laut Sidgwick, verlange die ethische Sichtweise von uns über unseren persönlichen Standpunkt hinauszugehen und uns mit einem objektiven Standpunkt zu identifizieren, dem Standpunkt des Universums. Diese Sichtweise lässt sich mit psychoanalytischen Begriffen paraphrasieren, demnach verlangt ethisches Handeln nicht den Standpunkt des Egos, sondern den Standpunkt des Über-Ichs einzunehmen, und überschneidet sich mit einigen Annahmen aus der New-Age-Esoterik. Dort wird davon ausgegangen, wir seien alle miteinander verbunden, was auch ohne Spiritualität durch Ökologie und Globalisierung haltbar ist. Mein Einkauf beeinflusst Menschen überall auf der Welt.

Eine weitere Behauptung von New Age ist, der Zustand der Welt würde den Zustand in uns widerspiegeln. Das ist empirisch nicht belegbar, jedoch sehr naheliegend. Jemand hasserfülltes wird nicht davor zurückschrecken seine inneren Konflikte nach außen zu tragen, je liebevoller und friedlicher eine Person ist, desto mehr interessiert sie sie sich für das Befinden von anderen und wird mit Güte behandelt, da sie sich anderen gegenüber gütig verhält. Liebe ist vielleicht das beste Motiv für ethisches Handeln, Pflichtbewusstsein und Eigeninteresse können aber ebenfalls dienlich sein, schließlich spielt es für des Ergebnis einer Handlung keine Rolle aus welchem Grund sie ausgeführt wurde.

Die Erhabenheit der Sidgwickschen Aufforderung ist erstrebenswert, jedoch nur aus einem Zustand, der sprituell betrachtet der Erleuchtung nahe ist, oder anders ausgedrückt von einer Person, die in weitem Maße selbstreflektiert und empathisch ist, umsetzbar. David Hume zeigte, dass sich Vernunft im Handeln lediglich auf die Zwecke bezieht, die durch das gegeben sind was wir wünschen, und nicht auf die Mittel.

„Es widerspricht nicht der Vernunft, wenn ich lieber die Zerstörung der ganzen Welt will, als eine Schramme an meinem Finger. Es widerspricht nicht der Vernunft, wenn ich meinen vollständigen Ruin auf mich nehme, um das kleinste Unbehagen eines Indianers oder einer mir gänzlich unbekannten Person zu verhindern. Es widerspricht ebenso wenig der Vernunft, wenn ich das, was ich für mich als das geringere Gut erkenne, dem vorziehe, was für mich das größere Gut wäre, und für das erstere glühendere Neigung empfinde als für das letztere.“2Singer, 2018, S. 492, zit. nach Hume. 

Dieses Argument lässt sich kaum widerlegen. Ethik müsste universalisierbar sein, um von Menschen aus unterschiedlichen Positionen als allgemeingültiges Prinzip akzeptiert zu werden, was aufgrund unterschiedlichster Weltbilder und Interessen ohnehin schwer vorstellbar ist. Vernunft ist universal gültig wie „Alle Menschen sind sterblich“ und „Sokrates ist ein Mensch“, woraus folgt, dass Sokrates sterblich ist. Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen universal gültig und universalisierbar, weswegen vernünftig handeln nicht unbedingt mit ethisch handeln gleichzusetzen ist.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Johann Vanbeek

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