Auf zu Ne*to (lizenztechnisch unbedenklich), oder: Dino Distancing #6

„Hmm, ich glaube ich ziehe das an… Oh, und das! Und…“, ich stehe vor meiner Kleiderstange und wühle mich durch meine unordentlich aufgehängten Klamotten. Die meisten davon liegen bereits auf dem Boden, fein unsäuberlich sortiert in zwei Stapel: ‚Ziehe ich heute an‘ und ‚Ziehe ich heute nicht an‘. Der ‚Ziehe ich heute an‘-Stapel ist der größere von beiden.
„Sicher, dass du das alles-“, ich unterbreche Brutus, indem ich ein Klamottenknäul zu ihm und Kupernikus werfe.
„Und ihr könnt das anziehen!“, strahle ich.

Einige Zeit später sind wir Ausgehfertig. Ich kann es kaum erwarten, endlich wieder zu N*tto zu gehen – wir dürfen nämlich nur alle zwei Monate für wenige Stunden unser Grundstück verlassen. Für diesen Anlass machen sich alle immer extra schick und auch wir haben uns heute vorgenommen, mächtig Eindruck zu hinterlassen:
Ich trage diverse Schichten bestehend aus einer Strumpfhose, Kniestrümpfen, Stulpen, meinen Lieblingstennissocken und Pumps, dazu Röcke, Kleider und Croptops in verschiedenen Längen und zwei Mäntel. Meine Arme und Hände sind vollkommen bedeckt mit verschiedenen Handschuhen, Armbändern und Ringen, mein Hals geht vor lauter Ketten und Halsbändern fast unter, ich trage meine Lieblingshüte. Mein Make-Up habe ich an mein Outfit angepasst und entsprechend dezent gehalten.
Brutus und Kupernikus haben sich für einen klassischen Partnerlook entschieden: Beide tragen einen viel zu langen Frack, außerdem konnte ich Brutus von ein paar Budapestern überzeugen, aus denen seine Krallen vorne rausgucken und das Make-Up, das ich ihm über die Schuppen geschmiert habe, während er versuchte, meinen Arm abzubeißen, kann er wegen seiner kurzen Arme nicht wegwischen. Er freut sich aber zu sehr auf den Ausgang, um mich zum Sport zu zwingen. Ich schwitze auch so schon genug.
„Brutus?“, frage ich, als wir uns auf den Weg zum Haupttor des umzäunten Grundstücks machen. Er sitzt in unserem Einkaufswagen, den ich mit Lametta und Winterbaumkugeln geschmückt habe.
„Hm?“, knurrt er und versucht, beleidigt seine Ärmchen zu verschränken.
„Wenn du jetzt Klamotten trägst, heißt das eigentlich, dass du sonst die ganze Zeit nackt bist…?“
„Äh, nein? Ich trage ja sonst einen Hut?“

Dino Distancing ist ein ursprünglich auf Instagram veröffentlichter Webcomic von Freya Petersen (Bild) und Casjen Griesel (Text), der die Geschichte von Findus und seinem Dinosaurier Brutus erzählt. Die beiden (und ihr weltherrschaftsherrlicher Hamster Kupernikus) versuchen, in einer Welt voller Karens, hotter Werwölfe, Sailor Moon Moms und Social Distancing zu überleben. Ab jetzt auch auf Pfeil&Bogen!

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Freya Petersen | Pfeil und Bogen und Casjen Griesel | Pfeil und Bogen
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