maus
© Moritz Verlag

Die Maus im Haus. “Seepferdchen sind ausverkauft”

Mika steht mit breitem Lächeln erwartungsvoll vor seinem Papa, einen quietschgrünen Enten-Schwimmring um den Bauch geschlungen, mit einem Kescher in der Hand, in dem schon ein roter Ball mit weißen Punkten steckt. Sie hatten geplant, zum Badesee zu fahren. Doch Papa, dem die Locken wie einem verrückten Professor wild vom Kopf abstehen, ist noch nachdenklich über seinen Arbeitstisch gebeugt, umgeben von seinem Computer, Reagenzgläsern und einer geheimnisvoll blubbernden Flüssigkeit. “Wenn du mich in Ruhe arbeiten lässt, bin ich schneller fertig”, sagt er. Doch was macht man*, wenn Papa zu beschäftigt ist und keine Zeit zum Spielen hat?

In dem Bilderbuch “Seepferdchen sind ausverkauft”, welches im Jahr 2020 im Moritz Verlag erschienen ist, berichten die Autorin Constanze Spengler und die Illustratorin Katja Gehrmann in reichen Bildern in hellen Wasserfarben und mit präziser, humorvoller Sprache davon, wie grenzenlos die Welt der Fantasie sein kann.

Denn Mika findet für alles eine Lösung und so hat er, obwohl sein Vater so beschäftigt ist, sofort einen Einfall: Er macht sich selbstverständlich auf den Weg in den Zooladen, um sich als Haustier und Spielkameraden eine Wüstenmaus zu kaufen.

Als er den vollen Zooladen mit all den Tieren betritt, bekommt das Ganze einen entdeckungsreichen Wimmelbild-Charakter, und er trifft eine Menge bunter Tiere an: Schlangen, Hasen, Papageien, Flamingos und sogar einen Oktopus!

Und natürlich auch den Verkäufer, der Mika erstmal skeptisch beäugt.

Mika kauft die Maus und bringt sie nach Hause, doch als diese plötzlich verschwindet und Mika ein weiteres Mal den Zooladen aufsucht, um kurz darauf einen Hund mit nach Hause zu bringen und dann auch noch ein Seehund auftaucht, löst dies eine Kette von unerwarteten Ereignissen aus.

In diese taucht man* mit Mika zusammen ein, der alles aus seiner Sicht in der Ich-Perspektive schildert.

Eine regelrechte Auflösung von Zeit und Raum findet statt, einerseits durch die kindgerechte Schilderung von Mika, die eine*n direkt in das Geschehen der Handlung verwickelt und andererseits durch die Selbstverständlichkeit, mit der Mika alle Tiere in seinen Tagesablauf einbaut. Immer ist etwas los und das ohnehin leicht chaotische Zuhause von Mika und seinem Papa wird gänzlich auf den Kopf gestellt.

Von einer Piratenschlacht im Wohnzimmer, einem Tauchausflug in der Badewanne und der geheimnisvollen Parallelgeschichte eines Kängurus, welches sich in besonders detailreichen Bildecken auffinden lässt, ist in dieser Erzählung alles dabei.

Zusammen verwandeln sie Gewöhnliches in eine abenteuerliche Anderswelt.

Mika stößt in dieser Geschichte immer wieder an die Grenzen des Möglichen aber lässt sich von diesen weder aufhalten noch einschüchtern, stattdessen bricht er mit stereotypischen Wahrnehmungsmustern und Erwartungen, mit vermeintlicher Unmöglichkeit und Anderssein und schafft sich eine Welt mit eigenen Regeln und Logik.

Die Sprache ist durch einen großen Teil wörtlicher Rede knapp und punktgenau, auch Mikas Papa redet so, wie Väter eben reden. Als LeserIn kann man die Vorstellungswelt und Wahrnehmung von Mika gut nachvollziehen.

Auch die Bildsprache ist sehr klar und eindeutig, sodass trotz der Altersempfehlung von fünf Jahren auch kleinere LeserInnen etwas mit der Geschichte anfangen können. Aber auch für größere LeserInnen und VorleserInnen ist das Buch amüsant.

Wenn man* also wissen will, wie der freche Sprüche klopfende Papagei auf den Besen und der Pinguin ins Waschbecken gelangen und eine Geschichte hören möchte, in der Vorstellung und Fantasie jeden realistischen Rahmen sprengen oder einfach nur die Frage auf der Zunge liegt, was Papa denn nun zu den ganzen Tieren sagt, ist dies jedenfalls ein Buch, bei dem sich das Lesen lohnt.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Moritz Verlag

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