Die Fantastische Konferenz

Böse Bücher und grüne Sonnen

Wir können also sagen: Beim Weltenbauen gibt es Räume und Figuren, die über das Regelwerk der jeweiligen Welt sinnvoll und lebendig werden, sodass sie eine bestimmte Stimmung erzeugen können, die uns als Leserinnen und Leser ein Gefühl dafür gibt, in dieser Welt zu leben.

Das Faszinierende beim Weltenbauen in der Literatur ist, dass man diese Welten nie ganz sehen kann – vor allem dann, wenn wir es mit einer fantastischen Welt zu haben. Das Besondere an fantastischen Welten ist nämlich gar nicht, dass Drachen und Gespenster und Vampire darin vorkommen, sondern, dass fantastische Romane, wenn sie gut sind, ein Geflecht von unendlich vielen Geschichten sind.

Auch wenn die Bücher noch so dick sind, drei, fünf, sieben Bände umfassen, bekommen wir nie alles zu sehen, was es in dieser Welt gibt. Denn wir folgen immer dem Faden der Erzählung, die sich meistens auf eine oder mehrere Figuren an einem bestimmten Ort konzentriert, während an allen anderen Orten zwischen Hogwarts und London, in Mittelerde, in der Tintenwelt oder bei den Mumintrollen alles mögliche geschieht, von dem wir keine Ahnung haben.

Vielleicht werden wir es später einmal erfahren, vielleicht auch nie. Aber in den Köpfen der Leserinnen und Leser existiert die Welt weiter. Weil es so viele ungelöste Rätsel und unerzählte Geschichten gibt, kann man diese selber weiterspinnen.

 

Vortrag bei der Fantastischen Konferenz, 14-15. Februar 2019, Hildesheim
Bild mit freundlicher Genehmigung von Fantastische Konferenz
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© Monika Rinck
Pfeilchen und Bogen. Editorial