Die Fantastische Konferenz

Böse Bücher und grüne Sonnen

Vielleicht kennt Ihr Michael Endes Die Unendliche Geschichte (1979). Bastian Balthasar Bux, der Protagonist des Romans, fiebert so heftig mit den Figuren und ihren Geschichten mit, dass er irgendwann selbst ins Buch hinein verschwindet und Teil der Geschichte wird.

Vielleicht kennt Ihr auch Cornelia Funkes Tintenwelt-Trilogie (2003–2007), wo es sogenannte Zauberzungen gibt – Menschen, die so magisch vorlesen, dass sie Figuren aus der Geschichte heraus- oder in sie hineinlesen können. Ganz harmlos ist das nicht, denn wenn die Figuren aus ihrer angestammten Welt in eine ganz andere wechseln, kann das für großes Chaos sorgen. Es gibt auch Bücher, in denen die Magie des Lesens richtig gefährlich ist. Die humorvolle Variante kennt Ihr sicher aus Harry Potter. Dort ist das Monster-Buch der Monster selbst ein Monster in Buchform, mit Zähnen und Klauen. Bevor man überhaupt darin lesen kann, muss man ein Händchen für den Umgang mit fantastischen Wesen entwickeln.

Weniger witzig ist es, wenn jemand das Necronomicon, ein schwarzmagisches Zauberbuch, in die Hand bekommt. Er oder sie wird auf der Stelle verrückt, weil so unvorstellbar grauenhafte Dinge darin stehen, und das auch noch in einer Sprache, die nur uralte Aliens verstehen. Durchdrehen tut man trotzdem, als Mensch, auch wenn man kein einziges Wort versteht. Erfunden hat das Necronomicon übrigens der Horror-Schriftsteller H.P. Lovecraft (1890–1937).

Doch bevor jemand überhaupt eine Geschichte von einem Buch im Buch erzählen kann, das einen auf eine wundersame Reise voller Abenteuer mitnimmt oder einem den Verstand raubt, muss er oder sie sich eine Welt ausdenken, in der das alles überhaupt möglich ist.

Doch wie denkt man sich eine solche Welt aus?

Fans von H.P. Lovecrafts Horrorgeschichten versuchen sich vorzustellen, wie das geht – dass die Welt, in der es das Necronomicon und ein unvorstellbar grausiges Tentakelmonster namens Cthulu gibt, fixfertig in der Fantasie des Autors vorhanden ist und nur noch in Sprache übersetzt werden muss.

Aber ist das wirklich so?

Bild mit freundlicher Genehmigung von Fantastische Konferenz
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