Man kann Buchmesse nicht ohne YouTuber buchstabieren. Die beiden gehen Hand in Hand, so wie es sonst nur Hunde und Nutella tun. Ein weiser Mönch sagte mir einst in der Mangahalle, dass die MrTrashpacks heute das seien, was die Rockstars gestern gewesen sind: scheiße. Wer waren diese Menschen? Hatte er Recht? Scheinbar hatte ich den Anschluss an die nächste Generation schon längst verloren, doch konnte ich das nicht auf mir sitzen lassen. Einer musste Deutschlands Jugend auf den Zahn fühlen. Für die Kunst.

Alles begann mit der „Kunstfigur“ Jilet Ayse. Ein Name im Wind. Wenn 42-jährige Frauen in ihrem Act 18-jährige Kreuzberger Türkinnen parodieren, dann wissen wir, dass Comedy mit einem Presslufthammer an unsere Haustür klopft. Noch als Integrationsschreck angekündigt, so sollte sie gesellschaftliche Vorurteile im Mantel eines Vortrags über Europa entlarven und ironisieren. Was folgte, waren 30 Minuten Hirnzellenmassaker in Form von gebrüllten Worten wie „Wallah“, „Kanacke“ und „Habibi“.

Humor ist tot.

Witze über Hartz 4 und muslimische Frauen mündeten in faulen Gesprächen mit dem, aus was für Gründen noch immer existierenden, Publikum. Im Laufe dessen wurden diverse Karrierewege kritisiert. Haha. „Isch bin asozial!“. Haha. Es wurde geklatscht, doch wieso? Eine solche Witzdichte haben für gewöhnlich nur Flugzeugabstürze. Humor ist tot. Die Moderatorin dankte Frau Ayse noch dafür, den Finger in die Wunde gelegt zu haben. Aber sie war die Wunde.

MrTrashpack, Nachrichtensprecher für die deutsche YouTube-Community, hat ein Buch geschrieben. Niemand weiß, warum. Was wir wussten: „Endlich wieder Montag, Zeit für den Flashback. YouTube-News mit MrTrashpack. Daumen hoch, abonniert, wenn ihr Bock habt, das war das Intro und jetzt kommt Wuzzup.“ Ein Intro, das sich tumorartig in meine Synapsen brannte. Zusammen mit Heiner Bachmann geschrieben, einem „Medienmogul“ vom Unterhaltungswert eines nassen Toastbrotes, war das Buch dazu da, mit nützlichen YouTube-Tipps zur Seite zu stehen. Schließlich will jeder MrTrashpack sein.

Auf einem sechs Euro teuren Q&A-Panel wurde deutlich, dass wirklich jedes Kind MrTrashpack sein will. Tricks wie „Überlasst den unkreativen Teil wem anders!“ müssten wohl für die Miete genügen. Spätestens bei der Frage, wie er auf seine Ideen komme, nahm ich mir den imaginären Strick. Wer hochwertigen Content von jemandem erwartet, dessen Ideen zu Videos wie „Sind unrasierte Männer sexy?!“ führen, dem darf niemand mehr helfen. Ausdruckskunst schön und gut, doch was, wenn sie absolut scheiße ist? Aber scheinen nette Leute zu sein.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Marvin Dreiwes | Pfeil und Bogen
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