Er ist immer noch da! Wir haben es geahnt: Elvis lebt. Und jetzt bekommen wir endlich einen Roman auf der Höhe unserer Zeit! Die autofiktionalen Auswüchse der letzten Jahre lassen nur eines deutlich werden: Die klassische Fiktion hat ausgedient. In Das ziemlich lebendige Leben des vermeintlich toten Elvis sagt uns Tobias Geigenmüller wie es wirklich war. Zwar wird Geigenmüllers Debütroman aller Wahrscheinlichkeit nicht so ein Hit wie Timur Vermes’ Er ist wieder da landen. Aber flach wie eine Schallplatte des Kings ist er auch nicht.

Tobias Geigenmüller hat, laut editorischer Notiz, das Leben des Kings „bis in die letzte Paillette recherchiert“. Die Wahrheit, die sich daraus ergibt, sieht so aus: Elvis, der King des Rock´n´Roll, ist, wie viele Fans und andere Verschwörungsliebhaber schon immer vermutet haben, 1977 wirklich nicht gestorben. Er hat seinen Tod mit einer lebensgroßen Wachspuppe fingiert, um endlich fernab von Starrummel und Medienhype als unbescholtener Bürger ein ganz normales Leben führen zu können. Aber der King wäre nicht der King, wenn er dabei nicht eine Vision hätte: Die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Elvis weiß, „dass dieser Erdball größer“ ist als sein Ego. Deswegen will er „endlich etwas Sinnvolles machen. Etwas Großes“. Für die Weltrevolution à la Elvis bietet Geigenmüller das ganze Arsenal der großen Stars und Sternchen auf. Wer immer schon wissen wollte, was wirklich mit Michael Jacksons Nase passiert ist, erfährt hier bisher unbekannte Details.

Als der King während seiner Undercover-Revolution von David Hasselhoff allerdings an seiner Schokoladenallergie und seiner Abneigung gegen Ketchup erkannt wird, muss er sich zunächst geschlagen geben und das Feld räumen. Aber als Kämpfer für Wahrheit lässt Elvis sich nicht unterkriegen.

„Lass uns zeigen, dass Karate keine Hautfarbe kennt, keine Religion. Lass uns zeigen, wie viel Kraft es den Schwachen, Hilflosen und Unterdrückten auf der ganzen Welt verleiht.“

Die Metaphern hauen dann auch rein wie Karateschläge des Kings. Die Bildsprache ist umwerfend. Der Geigenmüller-Sound gibt den Spielereien und dem Ideenreichtum ein Zentrum, eine Persönlichkeit: „Selbst ein stockbetrunkener Demenzkranker ohne Augen hätte diesen Typen sogar im Dunkeln mit einem Sack über dem Kopf wiedererkennen müssen“.
Wer bei Büchern wie Vollidiot und Mieses Karma schon seinen Spaß hatte, wird auch hier voll auf seine Kosten kommen.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Rowohlt Berlin
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