In einer Welt, in der es zu viele Romane über depressive, Drogen nehmende Twentysomethings in Berlin gibt, schreibt Kat Kaufmann ihren zweiten Roman über genau so einen Typen. Wäre arschlangweilig geworden, wenn “Die Nacht ist laut, der Tag ist finster” nicht die Atomrakete unter den Existenzfragen rausballern würde:

Woher weißt du eigentlich, dass die Dinge so sind, wie sie sind und nicht ganz anders? Gute Frage, nicht? Was wäre, zum Beispiel, wenn das Universum reden könnte. Oder dein Vater, was wäre, wenn dein Vater gar nicht dein Vater ist? Und was ist mit dir? Du könntest in Wahrheit ein Prozac schluckender Soon-to-be-Studienabbrecher namens Jonas sein, vollgepumpt mit Tabletten und Schuldgefühlen, weil dein Opa gerade den Löffel abgegeben hat.

Deine Heimatstadt, das dynamische, farbenfrohe Berlin, ist in Wirklichkeit eine graue ekelhafte Betonmasse, von der du nicht loskommst. Und dabei musst du los, weil dein Opa dir ja aufgetragen hat, dass du unbedingt nach Russland gehen und diesen Typen finden musst.
Um das ganze noch mal spannender zu machen, könnte außerdem Krieg herrschen, sagen wir mal Kalter Krieg 2.0, Supergroßmacht Russasien vs The West mit Militäraufmärschen und Massenvernichtungswaffen und übertriebenen Grenzüberwachungen. Aber du mit deinen eigenen Problemen kriegst vom Krieg natürlich nichts mit, hängst viel zu sehr in deiner Mi-mi-mir-gehts-so-mies-Bubble. Atomuhr auf fünf vor zwölf und du bist viel zu beschäftigt, dir die Birne auf typisch deutsche Art mit Jägermeister voll zu schütten.

Überhaupt bist du eine echte Bilderbuchkartoffel: Rufst brav immer gleich das Blaulicht, wenn du was abfackelst oder jemand tot rumliegt. Muss ja einer aufräumen. Machst dir auch ständig Sorgen und redest nicht drüber. Darum weiß nie jemand, was wirklich abgeht. Redet nämlich auch sonst keiner über irgendwas Wichtiges in deiner deutschen Familie.

Die Kategorie wichtig ist bei dir generell eher so Tumbleweed. Du hast keine Ahnung, was du mit deiner Zeit anfangen sollst. Dein Leben ist ein einziges Selbstgespräch und über deine Jokes lachst nicht mal du.
Zum Glück triffst du beim Saufen auf zwei Russen, die anfangen, all deine Probleme für dich zu lösen.

Schon praktisch, was? Oder halluzinierst du schon wieder? Vielleicht gibt es gar keinen Krieg? Vielleicht existiert der Typ, nach dem dich dein Opa losgeschickt hat, überhaupt nicht. Oder vielleicht kicken deine Antidepressiva einfach härter, als du dachtest. Alle Vermutungen eher so metastabil, nichts an diesem Buch ist gewiss, investiert noch heute in Atomschutzbunker, denn die Nacht ist finster, der Tag ist laut!

Bild mit freundlicher Genehmigung von Tempo Verlag