Gender: [neutral]
Gender: [neutral]

Vorsicht, ich habe etwas sehr Dummes getan.

Wir weisen Menschen ihren optischen Merkmalen nach, ständig ein Geschlecht zu. Die Zuweisung ist absurd. Das zeigt sich, wenn man eine analoge Zuweisung für Wörter aufgrund der optischen Eigenschaften ihrer Buchstaben vornimmt.
Die Idee ist also, dass Wörter hier Menschen repräsentieren und die Buchstaben der Wörter menschliche Eigenschaften stellvertreten: körperliche, wie psychische. Welche Eigenschaften das genau sind, ist dabei nicht von Bedeutung, nur dass den Eigenschaften eine Ausprägung in einem Geschlechtersystem zugeordnet wird. Nicht bei allen Menschen sind die gleichen Eigenschaften relevant und nicht in allen Wörtern sind die gleichen Buchstaben enthalten.

Das Geschlecht eines Wortes ergibt sich aus den Geschlechtern der Buchstaben.
Analog: das Geschlecht, das wir Menschen zuweisen, ergibt sich aus den Geschlechtern, die wir seinen Eigenschaften oder Merkmalen zuweisen.

Eine mehr oder weniger willkürliche Einteilung, die stark an unserer Einteilung für Menschen orientiert ist, ergibt folgende Klassifizierung für Buchstaben und Zahlen:

weiblich:
BDOÖSCUÜcosmnuü380
->Berechnungsindex 1
männlich:
EFIJLTYfijlrty17
->Berechnungsindex -1
neutral:
HKXMNVWZxkvwz
->Berechnungsindex 0
gemischt:
AÄPQRGaäbdempqgß24569
->Berechnungsindex -1+1=0

Wonach wurde eingeteilt?

Umschließungen und Rundungen werden als weiblich gedeutet (mit 1 gekennzeichnet), Striche bzw. Phallus-Symbole verbunden mit Kanten erfahren eine männliche Konnotation (mit -1 gekennzeichnet). Lettern, die sich darin nicht einordnen lassen, weil sie zum Beispiel keine klaren Umschließungen oder Phallussymbolik besitzen, gelten als neutral (mit 0 gekennzeichnet) und Lettern, die beides haben, als gemischt (mit +1-1=0 gekennzeichnet).

Aber wie genau ergibt sich das Geschlecht eines Menschen aus seinen Eigenschaften?
Es bieten sich verschiedene Methoden an. Rein mathematisch sind Aufsummierung und Durchschnitt wohl die bekanntesten Möglichkeiten zu aggregieren. Dabei gibt es verschiedene Methoden den Mittelwert zu bestimmen. Neben dem bekannten Arithmetischen Mittel gibt es den Median, das Geometrische, das Harmonische, das Quadratische und das Kubische Mittel -sie alle liefern andere Werte. Aber, wenn wir Menschen einem Geschlecht zuordnen, denken wir über die Form der Hochrechnung gar nicht nach.

Bei der Geburt wird das Geschlecht optisch bestimmt. Das verläuft nicht immer fehlerfrei. Personen, die biologisch Mann sind und als Säugling einen sehr kleinen Penis haben, können für weiblich gehalten werden und biologische Frauen mit sehr großer Klitoris für männlich. Gelegentlich werden noch sekundäre Geschlechtsmerkmale einbezogen. Aber sowohl Brust,- als auch Bartwuchs können ausbleiben.

Später ergibt sich die Mann-Frau-Definition auch noch über die Fähigkeit Kinder zu kriegen: aber auch nicht alle Frauen können Kinder kriegen. Oder ist die Periode ausschlaggebend?

Und dann gibt es ja noch die psychischen Eigenschaften, die sich eben nicht biologisch äußern, die nur das wiedergeben, als was sich ein Mensch fühlt.

Und was machen wir nun, wenn sich einige dieser Merkmale widersprechen? Wie rechnen wir das hoch? Wir sind uns gesellschaftlich nicht darüber einig.

Aus diesem Grund nehme ich einfach mal eines der einfachsten Aggregate, nämlich das Arithmetische Mittel. Im Gegensatz zur Summe wird dabei eine Normierung auf die Anzahl der Buchstaben vorgenommen. Das heißt, dass längere Wörter nicht allein dadurch männlicher/weiblicher werden können, weil sie durch die höhere Buchstabenanzahl mehr Möglichkeiten haben männlich oder weiblich zu sein.

Ich habe von diesen Überlegungen ausgehend ein Programm geschrieben, welches Buchstaben, Wörtern oder ganzen Texten ein Geschlecht zuweisen kann.

Es geht jeden Buchstaben eines Wortes durch und ordnet ihm die gesetzten Werte zu. Dann summiert es diese Werte auf. Das Ergebnis wird anschließend durch die Anzahl der Zeichen in dem Wort geteilt. Für Texte, die aus mehr als einem Wort bestehen, wird der Durchschnittswert aus den Werten für die einzelnen Wörter errechnet.

Das sind die Ergebnisse:

lol: [männlich]
omg: [weiblich]
rofl: [männlich]
Mädchen: [weiblich]
Junge: [weiblich]
Dame: [weiblich]
Herr: [männlich]
Vater: [männlich]
Mutter: [männlich]
Sex: [weiblich]
Gender: [neutral]
Ursprung: [weiblich]
Technik: [neutral]
Natur: [männlich]
Terminator: [männlich]
Rambo: [weiblich]
Brust: [weiblich]
Brüste: [weiblich]
Penis: [weiblich]
Vagina: [neutral]
Hoden: [weiblich]
Uterus: [weiblich]
Donald Trump: [weiblich]
Angela Merkel: [männlich]
Gott: [männlich]
Teufel: [männlich]
Das Böse: [weiblich]
Das Gute: [weiblich]
Liebe: [männlich]
Hass: [weiblich]
Zerstörung: [neutral]
Schöpfung: [weiblich]
Erhaltung: [männlich]
Mann: [weiblich]
Frau: [männlich]
Männlich: [weiblich]
Weiblich: [männlich]

Aber was haben wir davon?
Ganz akut erstmal einen Witz.

Der ergibt sich aus der Diskrepanz zwischen allgemeiner Konnotation und dem hier behauptetem Geschlecht.

Aber darüber hinaus haben wir nichts davon. Das ändert sich auch nicht bei einer besseren Aggregatsfunktion. Diese ist also austauschbar und vielleicht herrscht deshalb kein gesellschaftlicher Konsens zur Frage, was Geschlechter ausmacht.

Wörter sind weniger komplex als Menschen. Und schon hier führt eine Reduktion auf ein binäres System zu absolut nichts, außer einem Witz.

Was sollte es also bringen bei Menschen Geschlechter zu konstruieren?

Damit wäre in allen anderen Zusammenhängen außerhalb des Witzes jeder Begriff von Weiblichkeit und Männlichkeit radikal abzulehnen, denn quod erat demonstrandum: Geschlecht ist nur ein Witz.

Es gibt kein weibliches Schreiben und kein männliches, es gibt keinen Männersport, insbesondere keine MännerMANNschaften, keine Frauenfilme, keine Frauenmannschaften, keine Frauenparkplätze, kein Duschgel „for Men“, keinen Männertag, keinen Frauentag.

Natürlich sind das alles nur Konstrukte, die offenbar den Zweck haben witzig zu sein. Aber kann man noch darüber lachen, dass Frauenkosmetik trotz identischer Inhaltsstoffe teurer ist, als die von Männern? Ist es so komisch, dass sich nur ein Bruchteil der WM-Interessierten für Frauenfußball begeistern können? Und wer lacht noch, wenn dieser Witz in vielen Berufen dazu führt, dass Frauen für einen identischen Job weniger Lohn erhalten?

Daher fordere ich, wie so viele vor mir: eine Abschaffung der
Geschlechter: [männlich]

Bild mit freundlicher Genehmigung von Yvonne Schmidt | Pfeil und Bogen
Total
24
Shares