„Wenn du dann meine Wohnung hütest, lass dir bei der Schlüsselübergabe die Tür von meiner Schwester erklären!“

Eine Tür zu öffnen kann ja nicht so schwer sein. Erklärungen erspare ich mir.

Mit ein bisschen Ausprobieren bin ich dann auch reingekommen und finde mich bestätigt. Den Schlüssel anders herum als üblich drehen: Kein Problem! Auch etwas mehr Kraft dafür aufwenden und die Tür dabei heranziehen: Wunderbar, das bedarf doch keiner Erklärung. In der Nacht schließe ich die Tür meiner Übergangswohnung dann ab. Wegen gefährlichster Straße Deutschlands und so.

Am nächsten Morgen möchte ich das Haus verlassen. Es ist schwierig, über die Buchmesse zu schreiben, wenn ich nicht vor Ort bin.  Fuck, es geht nicht. In welche Richtung habe ich den Schlüssel gestern Abend noch mal gedreht? In Millimeterarbeit taste ich mich voran, daran denkend, dass man auch beim Reinkommen fester drehen musste. Aber mein Papa hat immer gesagt: „Nach fest kommt ab.“ Also vorsichtig sein.

Doch da rührt sich nichts. Vielleicht muss ich noch fester … NACH FEST KOMMT AB! Das war’s dann wohl. Schlüssel adé. Da steckt also das Schlüsselbruchstück im Schloss und ich eingesperrt in der Wohnung des Grauens – direkt gegenüber von der Stelle, an der einer dieser Rocker vor einem Jahr abgeknallt wurde.

Scheiße, der Kühlschrank ist leer. Ich wähle die Nummer des Lieferdienstes um die Ecke. „Schieben Sie die Pizza einfach unter der Tür hindurch“, höre ich mich schon sagen. Es geht jemand ran, doch dann bricht die Verbindung ab. Nur noch Rauschen. Ein Blitz zuckt aus dem Hörer, das Licht flackert. Nach einem Stromschlag finde ich mich damit ab, nicht mehr zur Buchmesse zu gelangen und hier den Hungertod zu sterben. Buchmesse ist sowieso immer gleich. Wenn ich jetzt da wäre, würde ich auch nur am Stand der Edition Paechterhaus rumhängen. Deren Glückskekse wegfuttern. Mich über die neuen Bücher: Landpartie 17, Notizen von Unterwegs, Vielleicht waren wir Kinder und Mitgift unterhalten.

Vielleicht sogar eins geschenkt bekommen. Am Stand der BELLA triste gäbe es sicherlich auch hervorragende neue Literatur zu bestaunen. Irgendwo würde mir jemand erklären, wie ich meine eigene Autorenwebseite baue und direkt daneben würde die große Chance auf einen Vertrag mit Piper warten. Ich muss ein bisschen weinen und föhne mir die Tränen aus meinem Holzfällerbart. Wieder im Flur sehe ich einen Zettel neben der Tür kleben: „Die Tür NICHT von Innen abschließen. Dann lässt sie sich nicht mehr öffnen.“

Bild mit freundlicher Genehmigung von Marvin Dreiwes | Pfeil und Bogen
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