durch den betrieb

was zwischen dir und mir immer wieder neu entsteht, das nennt man den betrieb.

  1. der vorstandsvorsitzende von rewe sagt: in der zukunft wird der supermarkt ein ort der begegnung sein.
  2. in der sprache meiner vorfahren gibt es ein altes sprichwort.
  3. wemmr ä baar aadschn hadd, unn der eene is weck, unn mr hadd bloß den andrn…da nudzn een alle beede nischd.
  4. über einem spiegel im flur hängt der satz: so sieht mich der kunde…
  5. in einer dokumentation sehe ich, wie alfons schuhbeck in einem fitnesstudio sein unterhemd auszieht und der kamera seinen tiefen, breiten rücken präsentiert.
  6. im film ist es zwei uhr nachts, schuhbeck kommt gerade von der arbeit. das licht ist warm und orange, wie seine haut.
  7. wir haben mit dem betrieb so manche schöne stunde gehabt, sagt meine oma und stellt die weiße schachtel mit der wurst auf den tisch.
  8. was zwischen dir und mir immer wieder neu entsteht, das nennt man den betrieb.
  9. bevor der betrieb zu dem wurde, der er heute ist, gab es nur eine lose ansammlung von interessen, hohe bauwägen und ein paar absichten, eine halde mit kohlen und eine kleine bibliothek in einem lkw.
  10. wörter, in denen der betrieb eine rolle spielt: betriebsbereit, betriebshof, normalbetrieb, betriebsblind, literaturbetrieb, betriebsausflug.
  11. ein paar gestalten standen mit ihren runden brillen gelangweilt zwischen den disteln und teilten sich harte kekse und süße zigaretten.
  12. der boden ist hier locker und sandig, es liegt so ein gefühl da hinten über dem teich, dass das in diesem jahr was werden könnte mit unserem sammelband und einem urlaub an der see.
  13. es sollte einen nicht betrüben, im betrieb zu sein, sagt meine oma und legt das brot in die maschine, wir waren früher auch alle irgendwo organisiert.
  14. in der rundschau für den lebensmittelhandel lese ich, das der vorstandsvorsitzende von rewe sagt: „in zukunft wird der supermarkt ein ort der begegnung sein. darauf setze ich.“
  15. ich lasse dich nie mehr los, rief ich dir zu, doch da du warst schon durch das große tor am hauptgebäude richtung s-bahnhof verschwunden.
  16. der betrieb ist großartig, alles andere ist quark.
  17. zu einem stimmigen outfit gehören in erster linie eine gewisse spannung in den schultern und ein gutes frühstück, bescheiden aber abwechslungsreich.
  18. es muss nichts außergewöhnliches sein.
  19. nichts, sagt meine oma, als sie in den keller kommt um mich zu wecken, nichts außergewöhnliches.
  20. es gibt erzählungen vom betrieb, in denen nie die sonne scheint und der wein nach dem entkorken gar nicht mehr zum atmen kommt, so schnell ist alles mit dem internet geworden.
  21. und die bibliothekarin hier bei uns in der bibo, erzählt mir meine oma, die ist genau so lang wie du und raucht wie ein schlot.
  22. ich gehe mit dem betrieb eine wurst essen. dazu laufen wir ein stück am fluß entlang, später über das blaue wunder, das wahrzeichen in der stadt meiner vorfahren.
  23. wann immer deutsche staatsbürger im ausland opfer eines verbrechens werden, muss der betrieb in der lage sein, diesen punkt binnen vierundzwanzig stunden zu erreichen und die situation zu klären.
  24. ich verstehe und schweige, bis wir nach einer gefühlten ewigkeit einen kleinen wagen erreichen. mit brot bitte, sage ich und der betrieb nickt zufrieden.
  25. auf der bauchtasche des betriebs steht: kill your darlingz.
  26. am ende des winters helfe ich im lebensmitteleinzelhandel aus.
  27. in einem dunklen gang, durch zwei türen mit zahlenschloß und über eine rutschfeste treppe gelangt man während der pausen in den sozialbereich.
  28. mitgebrachte waren muss man vorher kennzeichen lassen, sofern sie bestandteile des sortiments sind.
  29. literatur, antworte ich meinem supervisor und mein supervisor sagt: was es nicht alles gibt.
  30. irgendwo lese ich, dass die tage in l. von ronald m. schernikau, wäre es nach dem autor gegangen, die schönheit von uwe, die losung 43 und der spaß der imperialisten hätte heißen sollen, was vom konkret-literaturverlag jedoch abgelehnt wurde.
  31. ich kenne welche, die sich so nah am betrieb vorstellen, sie hätten zwischen ihren backen einen apfel klemmen und der müsse nun zerdrückt oder zumindest eine ganze weile festgehalten werden.
  32. es sind erzählungen wie diese, von denen der betrieb noch heute lebt.
  33. obwohl er längst so tief geworden ist wie hoch und niemand mehr so recht sagen kann, wo dieser smogmog endet oder beginnt.
  34. aber seine wurzeln liegen irgendwo hier.
  35. gucken wir also noch ein bisschen über den fluss, hinüber in die pittoresken brunnen des englischen gartens oder die farbenprächtige gewürz-welt eines alfons schuhbeck direkt am platzel.
  36. der betrieb ist etwas, das zwischen mir und dir immer wieder neu entsteht.
  37. nur schweinefleisch , anwortet mir ein junger kunde, der weiter vorne im fragebogen schon ausgeplaudert hatte, dass er lehrer ist.
  38. in manchen erzählungen vom betrieb ist das wetter so gut, schmecken die zigaretten so lecker, sind die debüts so spannend, dass man sich gleich ein wenig schämt, darüber traurig wird, diese folgeerscheinung wiederum kritisiert und irgendwann aus lauter frust beginnt, sich einen salat zu machen.
  39. und während man zum abschluss ein paar kerne röstet, ploppt ein bisschen von dem buchweizen aus der pfanne und im hof vor dem fenster wendet jemand mit dem auto.
  40. wer nicht ein bisschen ideologisch tickt, sagt meine oma, dem ist der betrieb egal.
  41. irgendwann geht es dann schon wieder besser und man beugt sich runter richtung küchenboden und stupst die kleinen ausreisser mit der fingerspitze auf.
  42. naja, sagt der lehrer, schwein ist eben unsere kultur.
  43. am telefon liest mir meine oma ein gedicht der bibliothekarin vor.
  44. es handelt unter anderem von dem gefühl, am frühstückstisch zu sitzen und im radio vom krieg in der welt zu hören, während draußen der berufsverkehr vorbeifließt.
  45. hinsichtlich der ökonomischen perspektiven ergeben sich zwei fragen.
  46. hast du was?
  47. bekommst du schon?
  48. auf der toilette hat jemand einen kleinen text aufhängen lassen. er endet mit den worten:
  49. das macht für uns alle „den gang“ viel angenehmer.
  50. ihr hausleiter einer von den jungs hier hat so blaue augen wie der rhein.
  1. er macht pause von der fisch-abteilung und guckt so verwegen, wie heinrich böll immer verwegen geguckt hat, wenn er in köln am ufer stand und die möwen mit pistazien füttern durfte.
  2. in der dokumentation erzählt alfons schuhbeck von der entstehung seines sex-gewürzes: „da hab ich mir gedacht, du machst jetzt 6 gewürze zusammen und anstatt s-e-c-h hab ich s-e-x draufgeschrieben.“
  1. sieh mal, sagt meine oma, wir haben auch erst telefon bekommen, als der opa dann im betrieb in der verantwortung war.
  2. hier ist der boden locker und sandig.
  3. der betrieb guckt so lange in meine schüssel, bis ich ihm von meinem salat anbiete. er holt sich ein schälchen, ich tue ihm auf und dann geschieht sehr lange nichts.
  4. das macht für uns alle den gang noch angenehmer.
  5. und man beugt sich runter richtung küchenboden und stupst die kleinen ausreisser mit der fingerspitze auf.
  6. der betrieb muss zu jeder tages- und nachtzeit einsatzbereit sein, egal ob im wasser, zu land oder in der luft.
  7. in der rundschau für den lebensmitteleinzelhandel lese ich: das gastronomiekonzept findet integriert in den jeweiligen sortimenten statt. gegrilltes steak gibt es also nahe der fleischtheke.
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