Entwürfe, Pläne, Einfälle. Für eine Literatur des Konzepts 3

Ich bin gerade auf den eingetragenen Verein Emotions Anonymous gestoßen, was ein zu gleichen Teilen wahnsinnig poetischer, zarter und trauriger namensgebender Begriffsbund ist. Die Tragik liegt im Kleinen, in Personen. In Deutschland hat sich der Verein vor Kurzem aufgelöst.

depressedanon.com verzeichnet 18 Städte mit regelmäßigen Terminen in acht amerikanische Bundesstaaten. Die Liste scheint unvollständig, denn Metropolen wie New York, Los Angeles oder Chicago fehlen, vielleicht haben die aber auch eigene Anlaufstätten im Internet.
Hundertprozentig gibt es auch gender-problematische Ausprägungen im Suchtbereich usw. – Eines der ersten Dinge, die ich mir dachte, nachdem ich begonnen hatte, David Schreibers Nüchtern zu lesen, war: Die Anonymen Alkoholiker scheinen prima zu funktionieren, in der Hinsicht, dass sie medial recht präsent und als Vorstellung schnell abrufbar sind, am Ende also eher auch von Hilfesuchenden gefunden werden können.

Jetzt sichte ich gerade Listen im Umkreis, die sich mit Sucht und Drogenmissbrauch beschäftigen, und frage mich, wo die dezidiert weiblichen Problematiken da so rumschwirren (gut möglich, dass ich Äpfel mit Birnen vergleiche): Wo sind die Sexualmissbrauchs-Gruppen, wieso ist da alles noch voll mit Stigma, obwohl von sexueller Gewalt wahrscheinlich mehr Menschen betroffen sind als von sonstigen Missbräuchen und Süchten. An dieser Stelle habe ich meine persönlichen Stereotype noch nicht so recht überprüft, die zu einer vorurteilseingeschränkten Wahrnehmung führen könnten. (Bei einem Suchtkranken denke ich – trotz je nach Suchtmittel – an einen Mann. Eine Frau. Einen Mann? Beide?)

Man könnte also ein Framework, Plug-In, etwas entwickeln, das automatisch gesetzte Geschlechterbezeichnungen (häufig: er, [männliche Form einer Berufsbezeichnung]; manchmal: sie, [viel berechtigt wütendes –in/*_nen]; selten: -x, LGBTQIA+) nach einem Zufallsalgorithmus (grundsätzlich widersprüchlich, schon klar) durchmischt, und in Texten willkürlich wirkende Ersetzungen dieser Personal-Pronomina vornimmt (so wie es Vanessa Place als Autorin® in ihrem Text selbst getan hat). Also: Linguistisch maximalmögliche Inklusion via Click’n’Buy- App. Oder: Einmal gekauft – Gender-Save™ („f“ wäre korrekt, sieht aber scheiße aus, suggeriert deutsches Stahlgewitter in Tresorform statt kuscheliger Bindenwerbung von Always Ultra®).

Bild mit freundlicher Genehmigung von New York Public Library
Total
1
Shares